Das unmagische Amazon Kindle
by Max Winde • May 22, 2011 • Nerdstuff • 65 Comments

Ja, der Akku hält unglaublich lange. Ja, man kann das Display sehr gut auch bei direkter Sonneneinstrahlung nutzen. Und es ist echt nicht teuer. Damit hat man aber schon mal grob die positiven Seiten des Amazon Kindle erwähnt. Ansonsten enttäuscht es. Sehr.
Zunächst das Display. Abgesehen von der tollen Lesbarkeit im Sonnenlicht ist es in jeder Beziehung viel schlechter als jedes LCD-Display. Es kann keine Animationen, es kann keine Farbe, es kann nicht mal Hintergrundbeleuchtung. Und selbst Graustufen kann es nur mit viel gutem zureden. Graustufen! Die einzelnen Pixel des Kindle kann man recht leicht erkennen, kein Wunder bei gerade mal 600×800 Pixeln. Durch das Anti-Aliasing der Schrift, also Graustufen an den Rändern um sie glatter erscheinen zu lassen, wirkt die Schrift dazu noch recht verwaschen. Es liest sich nicht schlechter als auf einem normalen Laptop, aber eben auch nicht wirklich besser. Und es ist kein Vergleich zum Retina-Display eines iPhone 4. Dazu ist der Kontrast bei Zimmerhelligkeit sehr mau: Das Hintergrund-Weiß wird zu einem sehr tristen Grün-Grau, das Schwarz der Schrift ist eher Anthrazit. Keine Ahnung, wer jemals auf die Idee kommen konnte, dieses Display sei in irgendeiner Form lesefreundlicher als ein LCD. Bei mir kommt bei diesem Grün-Grau in Grau jedenfalls keine sonderliche Leselaune auf.
Auch die Bedienung erinnert eher an 1988 als an 2011. Die Steuerung ist kompliziert und bedarf eines längeren Lernprozesses, weil sie in sich unlogisch ist. Das finden des WLAN-Menüeintrags hat mich Einiges an Kopfkratzen gekostet. Die komplizierte Bedienung wird noch verstärkt durch die schlechte Tastatur. Fast alle Tasten sind gleich groß, exakt gleich rund und gleich winzig beschriftet. Egal ob “H”, Shift-Taste, Löschen, Return oder Textoptionen: sie sind alle klitzeklein und schlecht zu bedienen. Das Steuerkreuz zum Navigieren ist hakelig. Auch hier sind die Cursortasten zu klein. Links und rechts vom Gerät befinden sich jeweils zwei Tasten zum Vor- und Zurückblättern. Diese sind, genau wie alle anderen Tasten auch, sehr schlecht platziert. Ich habe bisher noch keine Handhaltung gefunden, in der ich das Gerät bequem halten kann, ohne diese Tasten versehentlich zu berühren, dann aber ohne größere Streckübungen rankomme um umzublättern. Noch schlimmer ist nur die Lock-Taste, mit der man die Tastensperre ein- und ausschaltet. Diese hakt bei meinem Gerät, reagiert nur bei jedem zweiten Versuch und springt öfter mal nicht zurück. Noch dazu ist sie an der unteren Kante des Geräts angebracht, also der Stelle, an der man sie am schlechtesten erreichen kann.
Außer der wirklich tollen Verpackung wirkt alles an diesem Gerät lieblos, billig, undurchdacht und trist. Irgendwie erinnert es mich an diese Taschencomputer, die einem UPS-Mitarbeiter immer unter die Nase halten, damit man den Empfang bestätigt.
Auch was die Inhalte angeht, orientiert sich das Gerät konsequent an den 80er Jahren des vorherigen Jahrhunderts. Es gibt nur Bücher und Zeitungen. Zum Testen habe ich mir mal die aktuelle Ausgabe der Zeit gekauft, oder das, was von der Zeit noch übrig war, nachdem sie durch den Kindle-Fleischwolf gedreht wurde. Der Inhalt sieht aus wie eine Zeitungs-Homepage Mitte der neunziger Jahre: oben das Zeit-Logo, eine Liste mit Kategorien, in jeder Kategorie die Überschriften der Artikel. Keine Gewichtung, keine Anreißertexte, keine Bilder, nichts. Eine reine Bleiwüste. Selbst Videotext wirkt einladend und gut aufgearbeitet im Vergleich dazu.
Ein Internet findet nicht statt. Es gibt keinen Newsreader, es gibt keine Blogs, es gibt keine Online-Inhalte. Wer eigene Inhalte auf seinem Kindle haben will, kann diese an eine Email Adresse schicken. Irgendwie fallen dafür wohl auch Gebühren an, zumindest über 3G, keine Ahnung, ob WLAN auch kostet, ich jedenfalls bin aus der Gebührenseite nicht schlau geworden. Ein an meine Kindle-Adresse geschicktes A4-PDF wurde vom Kindle ganz einwandfrei als unentzifferbarer Brei dargestellt, ein JPEG Foto sah nach nur kurzer Wartezeit aus wie frisch gefaxt. Bisher ist es mir nicht gelungen eigene Inhalte so auf das Gerät zu bringen, dass sie in ansprechender Form dargestellt werden können. Nicht mal einfache Text-Mails kann das Kindle darstellen, dafür aber wohl RTF- und Word-Dokumente. In diese ausgetrockneten Content-Wüste versuchen Services wie deliverads kleine Nachrichten-Tröpfchen zu bringen.
Vielleicht ist Amazon dieser Mangel an Onlineinhalten ja ein wenig peinlich, zumindest findet sich unter dem Menüeintrag “Experimental” ein Webbrowser. Dieser bedient sich ähnlich umständlich und hakelig wie Opera Mini auf einem 50€ Handy. Allerdings verfügt er über einen “Article Mode”, der, ähnlich wie “Readability” in Safari oder Reeder, die Seite passend für das Gerät aufarbeitet. Wenn man es also einmal zum gewünschten Artikel geschafft hat, kann man ihn mit etwas Glück auch ordentlich lesen. Von einer Lieferung fertig aufbereiteter Artikel zum bequemen Lesen ist diese Lösung aber weit entfernt, zudem kann man Artikel nicht fürs spätere Lesen offline als speichern.
Darauf soll ich Texte lesen? Ja was denn, bitteschön? Okay, es gibt viele Bücher und eine kleine Hand voll schlecht aufbereiteter Zeitungen fürs Kindle. Den unerschöpflichen Ozean an tollen Informations- und Unterhaltungsquellen im Netz ignoriert das Gerät ohne guten Grund aber komplett. Der Vergleich zum iPad mag ein wenig ungerecht sein, drängt sich aber geradezu auf: Dort gibt es RSS-Reader, Twitter, Facebook, einem kompletten Webbrowser, hunderte von gut aufbereiteten Verlagsangeboten mit Bildern, Videos, Text, interaktiven Grafiken. Nicht zu vergessen all die innovativen Lese-Apps wie Flipboard oder Al Gores “Our Choice”. Und das Kindle App gibt es ja auch für das iPad, aber eben mit Farbe, mit Hintergrundbeleuchtung zum Lesen im Bett, mit größerem Display, mit Nachtmodus.
Ja, das Kindle taugt ganz gut zum Lesen von Büchern auf dem sonnendurchfluteten Balkon. Wer ein Lese-, Informations- und Unterhaltungsgerät will, sollte aber dennoch lieber ein iPad kaufen.

Also ich halte es so
http://www.dropbox.com/gallery/5813/1/2011.05%20Kindle%20halten?h=9593d3
Wobei ich eigentlich meist – wie bei einem Papierbuch – zwei Hände nehme. Ich brauche beim Lesen keine zweite Hand (weil youporn ja eh nicht im eingebauten Browser läuft)
Zur Not geht es auch mit einer Hand, ich denke man kann das auf den Bildern erkennen. Dann stütze ich es unten mit einem Finger ab.
Ich finde es eigentlich sehr angenehm so zu lesen, wobei die Lederhülle mit der Beleuchung da sicher auch sehr zu beiträgt. Ohne Hülle ist das sicher schwieriger, aber ich würde auch mein iPad nie ohne Hülle benutzen. Das wäre mir auch zu rutschig.
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@Max: Halte ihn wie Heimi am dritten Bild, Daumen auf der Taste. Der Druckpunkt ist gut gewählt und verhindert versehentliches umblättern
Ich hatte noch kein Kindle in der Hand. (jetzt dürfen einige direkt zum nächsten Kommentar gehen
)
Ich verstehe Max aber ganz gut.
Rein von den Bildern her: Alle Tasten identisch? Bitte, Shift, Return und so hätte man schon länglich machen dürfen, oder? Ich meine, entweder man benötigt die Tastatur nicht wirklich – dann weg damit, oder man braucht sie – dann aber bitte richtig. Oder nicht?
Und Max schreibt doch, dass das Gerät zum lesen gemacht und gedacht ist. Zunächst kein Wort von einem Vergleich. Er schreibt, dass der Kontrast nicht wie erwartet ist (Dunkelgrau auf hellgrau/grün), Graustufen nur mäßig sind und die Ergonomie der Tastenanordnung nicht passt.
Nach Videos, die ich gesehen habe, würde ich noch den trägen Bildaufbau hinzunehmen. Klar, so funktioniert nun mal E-Paper. Es sind nur schwarz/weiße Kügelchen, da kann man keine Wunder erwarten. Aber gut lesen möchte man ja schon – auch etwas Spaß dabei möchte man haben. Ich lese auch lieber von weißem Papier als von grauem.
Was mir bei diesen Dingern fehlt (auch bei den iPad-Lösungen): Schnell mal ein paar Seiten zurück/vor blättern. Wer war noch gleich dieser “Name einer Figur”? Hatte der nicht vor zwei Kapiteln gerade… etc.
Bei Fachbüchern häufig einfach mal zwischen einer Grafik und einem Text wechseln (einen Stapel Seiten zurück und wieder vor). Irgendwie alles nicht so möglich oder zu umständlich/langsam.
Nur den Punkt mit der Hintergrundbeleuchtung. Ich meine, Max, komm – Das wusste man doch vorher und das gehört zum Konzept eben dieses Gerätes
Legitim diesen Punkt zu vergleichen um fest zu stellen, was man persönlich lieber mag. Ich denke ohne Hintergrundbeleuchtung ist schon OK – wenn der Kontrast wie bei einem gedruckten Buch wäre, dann auch bei weniger Licht in Innenräumen.
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Das Kindle ist ein eBook-Reader. Du hast Dich offensichtlich in der Gerätegattung vergriffen. Kann ja mal passieren – aber dann sollte man das nicht auch noch so dokumentieren.
@Deerhunter und weil es ein eBook-Reader ist, muss die Usability eine katastrophe sein, darf das umblättern nicht gut gehen, sollte das Display nach Möglichkeit im Dunkeln nicht lesbar sein und darf man um Himmels Willen bloß keine Inhalte drauf bekommen, die es nicht bei Amazon gibt?
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Das ist nun mal ein E-Book Reader, d.h. dafür gedacht mehrere 100 Seiten zu lesen und nicht irgendwo zu surfen oder Filme in HD abzuspielen. Und diese Aufgabe erfüllt der Kindle einwandfrei! Man kann ohne Probleme viele Bücher mitnehmen, wochenlang ohne den Akku aufzuladen auskommen und lange lesen ohne Augenprobleme. Angebot von Zeitungen könnte besser sein, aber das liegt am Ende an den Verlagen. Die FAZ ist momentan ganz gut vom Inhalt und hier vor allem platzsparend…
Sicher gibt es noch Punkte für Verbesserungen, aber bitte keinen Reader mit einen Tablet oder Netbook vergleichen!
Schon gar nicht mit dem Display, das ist eine völlig andere Technik für eine anderen Anwendungsbereich. Ebenso kann ich keinen Blu-Ray Player mit einen PC vergleichen…
Wer sich auf den Monitor machmal paar hundert Seiten von PDF-Dokumenten durchlesen !muss!, der weiß dass augenschonend was anderes ist… Paar hundert Seiten auf dem Kindle (mobi) kein Problem!
Kritikpunkt für mich wenn überhaupt:
- DRM (allerdings zum !kleinen! Teil zu verstehen, wenn keiner mehr was für Musik oder sonstige Inhalte bezahlen will)
- Buchpreisbindung in Deutschland (hat neg. Auswirkungen auf die Preise der E-books)
- Graustufen-Display, aber an Farbe E-Ink wird ja gearbeitet (zum lesen von Romane o.k., sind eh kaum Bilder enthalten- auch im gedruckten Buck)
In Zukunft bitte mehr Objektivität und vorher überdenken was man da überhaupt bewertet und vergleicht….
@Max Winde
Nein, bei einem E-Book Reader sollte das Display nicht leuchten. Das ist ja gerade das Gute daran.
Der Autor dieses Beitrages hat die Zielsetzung des Kindels eindeutig nicht erfasst.
Ich besitze das Ding jetzt seit vier Monaten (in USA bestelllt) und bin einfach begeistert. Wenn man sich mal eine halbe Stunde Zeit für den Kindle nimmt um ihn zu verstehen ist es ein Kinderspiel ihn zu nutzen. Mittlerweile nutze ich ihn sehr oft, besonders auf Reisen. Das beruflich gnutzte I-Pad ist auch was feines, der Kindle ist zum lesen von Büchern aber für mich die deulich bessere Lösung. Nichts anderes als ein book-reader will/soll er ja auch sein. Die Auswahl bei Amazon.de für deutsche Bücher ist allerdings schrecklich unübersichtlich.
Grüße Zipf
Das sehe ich auch so. Finde es ebenso schade, dass wir nicht Blogs abonnieren können, wie es in den USA schon seit Jahren möglich ist. Da bleibt nur zu wünschen, dass Amazon in Deutschland bessere Verträge mit den Mobilfunkanbietern verhandelt, damit sie sich nicht mehr scheuen das Web insgesamt freizugeben.
Leider kritisiert dieser Bericht grösstenteils am Ziel vorbei.
Es handelt sich hier um einen Reader und nicht um einen Surfgerät.
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Also ich finde den Kindle wunderbar und kaufe mir keine Papierbücher mehr.
Er ist kein PC und kein Smartphone etc., sondern eben ein e-book- reader zum Lesen von Büchern und dafür ist er super geeignet.
Vorteile:
- keine schweren Bücher mehr halten und herumtragen müssen
- immer alle Bücher dabei haben
- keine Büchertasche mehr für den Urlaub nötig
- keine Platzprobleme zu Hause mehr
- der Akku reicht 1 Woche auch bei Vielnutzung
- das Gerät ist puppenleicht zu bedienen, absolut auch für Nicht- PC- Freaks gemacht
Nachteil:
- der einzige ! : bei Sachbüchern oder Biographien gibt es zwar die Fotos aus dem Buch zu sehen, aber eben nur schwarz- weiß
Dass man für den Kindle nur bei amazon einkaufen kann, finde ich nicht schlimm. Ich weiß auch gar nicht, ob das bei Thalia etc. anders ist.
Mein Fazit als absoluter Bücherfan und Vielleserin ist, dass ich nur mit dem Kindle lesen möchte. Es ist viel schöner und die Mobilität wiegt alles auf.