• Auch mal was zum Urheberrecht

    by  • 15. Februar 2012 • Uncategorized • 78 Comments

    Die Diskussion ums Urheberrecht ist komplett verwullft: niemand mag sie mehr führen oder sehen, aber irgendwie ist allen klar, dass das Problem nicht von allein weggeht. Anstatt eine Lösung zu liefern habe ich beschlossen, dass es ganz dringend nötig ist noch mal ganz von vorn anzufangen und die Ziele, was eines guten Urheberrecht leisten muss zu definieren. Vielleicht findet da ja jemand was dabei, was er so oder so ähnlich auch gut finden kann. Und wenn nicht, dann können wir uns wieder gegenseitig anbrüllen und beschimpfen. Ich vermute mal stark, dass hier auch einige widersprüchliche Punkte dabei sind. Das ist aber okay.

    Das Urheberrecht soll einen möglichst konfliktfreien, gerechten Ausgleich zwischen Urheber und Nutzer ermöglichen

    Ich hoffe, dass das wirklich Konsens ist. Am Ende sollen alle möglichst glücklich sein. Die Nutzer, die Urheber, die Urheber die auf werken anderer Aufbauen soll. Was „gerecht“ ist, ist sicherlich ein wichtiger Teil der Diskussion.

    Das Urheberrecht sollte möglichst einfach sein

    Die Zahl der Menschen, die direkt mit dem Urheberrecht zu tun haben ist in den letzten Jahren geradezu explodiert. Ein modernes Urheberrecht muss für jedermann geradezu intuitiv verständlich sein.

    Das Urheberrecht sollte keine toten oder sterbenden Geschäftsmodelle am Leben erhalten

    Wenn ein Geschäftsmodell seine Zeit hinter sich hat, dann sollte es sich in die Ecke legen und beim Sterben höchstens leise in sich hinein jammern. Egal, wie groß eine Branche mal war, wenn ihre Zeit gekommen ist, dann muss sie halt wieder verschwinden. Das Urheberrecht darf nicht der Kohlepfennig der Verwertungsindustrie sein.

    Das Urheberrecht sollte nicht mit dem angeschliffenen Spaten durchgesetzt werden

    Es ist eines Rechtsstaats nicht würdig, wenn Menschen die Existenzgrundlage entzogen wird, weil sie Kulturgüter mit dem Kaufpreis einer Kugel Eis aus einem aus einer Tauschbörse kopiert haben. Glückliche (und damit mehr) Kunden bekommt man, wenn man ihnen das Kaufen einfach macht, nicht das Leben erschwert.

    Der Urheber soll von seinem Werk einen Teil seines Lebensunterhalts bestreiten können

    Wenn ein Urheber glaubt mit seinen Werken Geld verdienen zu können, dann sollten das Urheberrecht dies ermöglichen.

    Die Urheber sollten nicht auf Zuteilungen angewiesen sein

    Ich halte Geräteabgaben oder Kulturflatrates für problematisch, weil sie auf den guten Willen von anderen angewiesen sind. Um eine Kulturflatrate würde es mit ziemlicher Sicherheit einen ähnlichen Dauerkampf geben wie z.B. um die GEZ. Irgendwo wird sich immer ein Boulevardblatt finden, dass gegen eine noch so kleine Kulturabgabe wettert, wenn sie sonst gerade ihr Heft nicht voll bekommt oder sie ihrer Geschäftsentfaltung im Weg steht. Für Politiker ist es offensichtlich sehr verlockend sich beim Wähler beliebt zu machen, indem man jemand anderem das Geld wegkürzt.

    Urheber sollten nicht schlechter gestellt werden, als Produzenten von physischen Produkten. Vielleicht sogar besser.

    Dieser Punkt ist mir sehr wichtig, vielleicht sogar überlebenswichtig: wenn jemand ein physisches Produkt herstellt, dann vernichtet er dabei der Allgemeinheit gehörende Ressourcen. Diese Vernichtung von Ressourcen können wir vermutlich nur bremsen, wenn wir die Produktion von „virtuellen“ Produkten ähnlich lukrativ machen, wie die Produktion von physischen Gütern. Ein gutes Urheberrecht kann einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

    Ideen sind für alle da!

    Schutzfristen für Werke sollten kurz sein um eine schnelle Rückführung in den Kulturerschaffungsapparat zu gewährleisten. Kurze Schutzfristen und viele Kopien erhöhen die Chance Werke dauerhaft zu bewahren und lebendig zu halten.

    Es sollte Anreize geben möglichst gute Werke zu schaffen

    Ich mag das Prinzip von „wer Dinge macht, die viele mögen soll auch mehr bekommen“. Nicht weil ich finde, dass es megareiche Urheber geben muss, aber weil „jeder bekommt den gleichen Anteil“-Systeme dazu neigen ausgenommen zu werden wie eine Weihnachtsgans. Auch glaube ich daran, dass Belohnungssysteme durchaus funktionieren können.

    Die Finanzierung sollte möglichst unkompliziert sein: sowohl für den Nutzer als auch für den Urheber

    Wenn ein Urheber nicht zum Urheben kommt, weil er die ganze Zeit auf der Suche nach Sponsoren ist, dann ist damit niemandem sonderlich geholfen. Ein gutes Finanzierungsmodell sollte dem Urheber möglichst viel Zeit lassen sich auf sein Werk zu konzentrieren.

    Finanzierungsmodelle sollten auf möglichst vielen Zahlern basieren

    „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.“ Um Urheber möglichst unabhängig von einzelnen wichtigen Sponsoren zu machen, sind Zahlungsmodelle vorzuziehen, bei denen viele wenig zur Finanzierung beitragen.

    Die Verbreitung, Weiterentwicklung und Nutzung der Werke sollte möglichst unkompliziert sein

    Das Remixen, Kopieren, anderen Zeigen, Weiterverbreiten, auf anderen Geräten Abspielen sollte so einfach sein wie es geht.

    Der Urheber sollte die Möglichkeit haben zwischen möglichst vielen verschiedenen Finanzierungsmodellen frei zu wählen oder diese zu mixen

    Der „richtige“ Weg, wie man möglichst gut sein Werk an den Nutzer bringt und dafür auch noch Geld bekommt ist noch lange nicht gefunden. Darum sollten Urheber möglichst viele Verwertungsformen ausprobieren können und sollten dabei weder von der Gesellschaft noch von Vertriebspartnern und Verwertern eingeschränkt werden. Insbesondere sollte die Exklusivverbreitung durch einen einzelnen Verwerter abgeschafft werden.

    78 Responses to Auch mal was zum Urheberrecht

    1. 15. Februar 2012 at 18:25

      Schön.

    2. 15. Februar 2012 at 18:31

      So sieht es aus. Unterschreibe ich alles. Vor allem wird hier tatsächlich mal der Urheber in den Mittelpunkt gerückt. Das passiert nämlich selten bei den Kritikern, die das Urheberrecht schwächen wollen (die meinen nämlich die Verwerter), noch bei den Verwertern, die das Urheberrecht „stärken“ wollen (die meinen nämlich auch die Verwerter).

    3. 15. Februar 2012 at 18:42

      Wunderbar auf den Punkt gebracht! Jetzt nur noch den Permalink an die MdBs und MdEup schicken … wenn’s was ändern würde.

    4. 15. Februar 2012 at 18:50

      Ich finde schon die Idee, Ideen zu kopieren einschränken zu wollen, ziemlich fragwürdig.

      Wenn das nötig ist, warum ist die Modeindustrie dann noch nicht in Unkreativität zusammengebrochen (als Paradebeispiel einer Industrie deren Ideen man nicht schützen kann)? Momentan basteln sich da einige Marken ihre Markenzeichen („D&G“) auf ihre Produkte und schützen so ihre Sachen, aber auch abseits dieser Labels gibt es ja wohl kaum bestreitbar kreativität.

      Weiteres Beispiel: in dem Prozess, während dem Urheberrecht erfunden wurde, war dieses zu erst in England und co. verbreitet, was laut verbreiteter Ansicht eine der Ursachen für die Verbreitung billiger Buchkopien in .de darstellte. Diese wieder sorgten unter anderem dafür dass hier das Bildungsniveau und damit auch die schöpferischen Prozesse stark angestiegen sind und in Deutschland zu dieser Zeit mehr Werke der Literatur u.ä. geschaffen wurden als in den Gegenden mit Urheberrecht.

      so.. genug getrollt.

    5. Hayssam
      15. Februar 2012 at 18:58

      So weit zur Diagnostik bzw. zu dem was angestrebt werden sollte. Hast du jetzt auch noch eine Idee zur Therapie, sprich wie erreicht man das von dir so vortrefflich beschriebene Ziel ?

    6. Max Winde
      15. Februar 2012 at 18:58

      @Dr. Dings: Ich kenne mich in der Modeindustrie nicht aus, aber ich würde nicht sagen, dass die von Kreativität leben, sondern von den Markennamen. Und gerade die sind ja nun geschützt wie nichts gutes.

      Das Beispiel mit dem Buchdruck: das war auch noch vor Erfindung des Kopierers. Wenn man heute ein gutes Buch schreibt und es gäbe kein Urheberrecht darauf, dann würde es innerhalb von Tagen oder Stunden überall massenhaft verfügbar sein und der Urheber könnte kein Geld mehr damit machen.

    7. 15. Februar 2012 at 19:01

      Nun.. keine Frage, es würde mehr kopiert werden wenn man frei kopieren dürfte. Das ist aber nie die Frage gewesen, sondern eher ob das jetzt gut oder schlecht für den Autor wäre.

    8. Max Winde
      15. Februar 2012 at 19:01

      @Hayssam erst mal müsste man noch prioritisieren.

    9. 15. Februar 2012 at 19:05

      Ich fürchte aber, daß du nicht weit kommst, wenn du Bücher und Patente und „Ideen“ und Musik und Marken alles in einen Topf schmeißt. Im Gegenteil halte ich das für ein großes Grundübel der derzeitigen Situation, daß alles Erdenkliche als „geistiges Eigentum“ benannt wird, egal ob es von Menschen oder von Firmen oder Insttutionen geschaffen (oder eben nichtmal das) wurde, und egal ob dabei eigenes oder fremdes oder Steuergeld beteiligt war (und wieder eingespielt werden soll).

    10. 15. Februar 2012 at 19:06

      Lieber Max,

      wie Du weißt, teile ich die pauschale Ablehnung von Pauschalvergütungen nicht (auch wenn sie sicher nicht Allheilmittel sind). Den Umweltschutzaspekt verstehe ich noch nicht so ganz, weil gerade das Internet und unsere Devices schon jetzt ordentlich Ressourcen fressen.
      Ansonsten bin ich aber (wie Du Dir denken kannst) voll bei Dir.

      Genau deshalb wundert es mich, dass Deine Punkte hier so im luftleeren Raum stehen und damit (wie Martin Lemburg beweist) den Eindruck erwecken, politisch würde nicht in die Richtung gedacht werden.

      Ich halte gefühlte 87,2 Prozent Deiner Forderungen in den (von mir mitentwickelten) Ideen der LINKEN Bundestagsfraktion zum Uhreberrecht aufgehoben. http://linksfraktion.de/themen/urheberrecht-internet/

      Selbst bei den Vorschlägen der Grünen zum Urheberrecht sehe ich große Schnittmengen.
      http://www.gruene-partei.de/cms/default/dokbin/397/397743.offenheit_freiheit_teilhabe_die_chancen.pdf

      Und die Piraten haben ja auch schon mal was aufgeschrieben.
      http://wiki.piratenpartei.de/AG_Urheberrecht

      Oder im Urheberrechtsreformvorschlag des Google-Co:llab.
      http://collaboratory.de/reports/initiative_3#9

      Und (wie im Gespräch auch schon angedeutet) die „Kulturwertmark“ des CCC skizziert meiner Meinung nach eine Pauschalabgabe auf Nutzerseite, die eine bürokratische Zuteilung clever umgeht. http://ccc.de/en/faq-kulturwertmark

      Ich glaube nicht, dass alle die Debatte satt haben. Die wird und muss erst richtig los gehen.

      Und da würde es schon helfen, wenn die vorliegenden Reformvorschläge in der Diskussion mitgedacht werden. Deshalb hab ich sie hier mal reinkommentiert.

    11. muehsam
      15. Februar 2012 at 19:16

      @Dr Blabla Würdest du das auch noch merkwürdig finden, wenn du ein Buch schreibst das dann einfach ohne dich zu fragen von RTL 2 verfilmt wird oder bei BILD als Fortsetzungsroman erscheint? Fertiger Content ist auch mehr als eine Idee. Ideen haben viele, aber die Idee umsetzen tun nur wenige und das braucht Arbeit, Können, Werkzeuge. Sprich, wer etwas schafft – der soll auch Rechte an seinem Werk haben.

    12. 15. Februar 2012 at 19:20

      So. Hier nochmal in mehr als 140 Zeichen.

      Ich halte den Abschnitt „Urheber sollten nicht schlechter gestellt werden, als Produzenten von physischen Produkten. Vielleicht sogar besser.“ gelinde gesagt für Quatsch. Ich bin wirklich ein glühender Verfechter von Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit. Aber virtuelle und physische Güter zu vergleichen ist nicht hilfreich. Die beiden haben einfach nichts miteinander zu tun.

      Verstehe mich nicht falsch: Ich verstehe, was Du erreichen willst. Ich verstehe nur nicht wie.

      Kurz zu der von Dir angesprochenen „Ressourcenvernichtung“. Das ist allein schon eine sehr grobe Vereinfachung. Wenn aus nachwachsenden Rohstoffen (z.B. Holz) Häuser hergestellt werden, ist das nicht nur sehr praktisch (der Winter 2012 hat ja nochmal recht eindrucksvoll bewiesen, warum wir Menschen irgendwann angefangen haben, Häuser zu bauen), sondern es ist auch sehr schwer, das als Ressourcenvernichtung zu klassifizieren. Ich nehme als an, dass Du „unsinnige“ Produktion meinst. Also (auf Twitter hatten wir es ja kurz davon) unnötig kurze Innovationszyklen und damit unnötig häufige Neubeschaffung von Computern oder Unterhaltungselektronik. (Sag mal, Du machst doch diesen Mac-Podcast, oder? Sorry, unsachlich, ich ziehe das zurück). Oder unnötige Verpackung. Oder die furchtbaren Ineffektivitäten in unserer Nahrungsmittelindustrie (Ein Bereich, in dem ich mich für hinreichend kompetent halte). Alles total richtig. Alles Fronten, an denen unglaublich viel pasieren muss. Alles Bereiche, in denen unglaubliche Einsparungspotentiale haben.

      Warum passiert in diesen Bereichen nichts? Weil es zur Zeit nicht politisch durchsetzbar ist, diese Bereiche entsprechend zu regulieren, zum Beispiel. Weil Energie im Vergleich zu den Volkswirtschaftlich auflaufenden Kosten immer noch viel zu billig ist, zum Beispiel. Was ich damit sagen will: Wenn wir wollten, gäbe es zahlreiche Angriffspunkte um die Produktion von physischen Gütern realistischer zu bepreisen, was sicher zu einem ressourcenschonenderen Umgang führen würde.

      Wenn ich Dich richtig verstehe (bitte korrigiere mich), dann ist Dein Ziel, durch ein entsprechend gestaltetes Urheberrecht dafür zu sorgen, dass man durch das Schaffen von virtuellen Werken besser gestellt ist (= mehr Einkommen generieren kann?) als durch das Schaffen von phyischen Gütern.

      Was genau ist da Dein Plan? Letztendlich bestimmt sich der Preis für Werke und Güter doch am Markt. Das Urheberrecht hat doch erst mal überhaupt nichts mit Preisgestaltung zu tun. Und genauso wie die Fabrikarbeiterin in China relativ gesehen sehr wenig von ihrer Mitarbeit am neuen iPad profitiert, während Mr. Ive, dessen Beteiligung am neuen iPad übrigens überwiegend in Form von virtuellen Werken stattgefunden haben dürfte, im Zweifel weniger Sorgen um seine Altersabsicherung hat, ist es im Bereich der virtuellen Güter doch auch so, dass man von „sehr Profitabel“ (z.B. Mitwirkung als Softwareentwickler an einer eBook-Plattform) bis „sehr lausig“ (Mitwirkung an einem sich so mittelmäßig verkaufenden Fachbuch, das über die genannte Plattform vertrieben wird) auch alles vorfindet.

      Also, wie genau soll ausgerechnet das Urheberrecht Auswirkungen auf die Rentabilität haben? Im Detail sehe ich da ja sogar Verbesserungspotential – Urheber gegenüber Verwertern besser zu stellen, yo, da geht was. Im Zweifel geht es hier aber eher darum, Marktverzerrungen abzubauen, denn durch diese entsteht ja erst das Übergewicht der Verwerter. Aber on the large scale?

      Vielleicht bin ich auch zu phantasielos, aber das musst Du mir schon mal genauer erklären, mit was für Mechanismen Du das erreichen willst. So lange kann ich den Absatz nicht akzeptieren und behaupte, Du fuchtelst da mit Äpfeln und Birnen rum.

    13. 15. Februar 2012 at 19:27

      @muehsam
      hat jemand was von „merkwürdig“ gesagt? Mein Browser findet nur das Vorkommen in deinem Kommentar.

      Die Frage ist nicht ob ich das toll oder grauenvoll finden würde. Wenn du diese Frage stellst hast du meine Aussagen offensichtlich nicht verstanden. Ich behaupte nicht dass das Weglassen jeglichen Urheberrechtes plötzlich zu einer Welt glücklicher Menschen führen würde.

      Was deine Beispiele betrifft: es könnte ja durchaus sein dass meine Bücher plötzlich hundertfach häufiger verkauft werden, nachdem BILD und RTL2 mein Zeug verwurstet haben. Vlt. bezahlt mich ja sogar danach jemand nochmal ein Buch für ihn zu schreiben oder ich bekomm ein paar Bier ausgegeben. Vlt. krallen sich aber auch nur einfach Springer und Co. mein Werk und ich werde nie wieder erwähnt.
      Das ist alles völlig Spekulativ, da kann man sich beliebig viele Märchen ausdenken wie da was passieren könnte, mit dem Thema hat das überhaupt nichts zu tun.

      Wie ja Max schrieb, sollte man sich vlt. doch lieber erstmal überlegen was man erreichen will. Wenn das z.B. ist „wir wollen möglichst viele Leute dazu bekommen Bücher zu schreiben“, dann ist das Argument „BILD könnte mein Buch kostenlos verteilen“ vlt. sogar weniger ein Problem für neue Autoren als erstmal einen Verteilungsweg zu finden wie man überhaupt Bücher über den eigenen Freundeskreis hinweg bekannt machen könnte.

      Wie gesagt.. alles nur grauenvoll unbelegte Hirngespinste, komm mit belegten Argumenten, dann reden wir weiter.

    14. Jan
      15. Februar 2012 at 19:28

      Sorry, nochmal kurz und unüberlegt hinterher geschoben:

      Nix mit „wir brauchen mehr virtuelles“. Im Gegenteil: Ich finde wir legen viel zu viel zu viel Gewicht auf die virtuellen Werke (Also wir = diese Internettypen). Es wäre total wichtig, Ideen, Konzepte etc., die sich im Netz bewährt haben, auf das RL zu übertragen und so mit viel Gehirnschmalz, aber vor allem auch mit MACHEN die Ineffizienzen, die Du zurecht beklagst, anzugehen. Also weniger virtuelle Internet-Startups, sondern mehr coole Typen, die sich damit beschäftigen, wie man die Probleme unserer Zukunft in den Griff bekommt.

      Da sind wir dann schnell bei einer Diskussion, ob z.B. das aktuell Patentrecht eher schadet oder hilft, das ist ja quasi anverwandtes Thema. Und ja, die Diskussion würde ich gerne führen.

    15. Helmut Müller
      15. Februar 2012 at 21:01

      Digitale Güter sind technisch nicht schützbar. Sie sind ihrer früheren, nennen wir es körperlichen Schutzhülle (Buch, Vinyl, Filmrolle, Zeitung), beraubt und dadurch hürdenlos und verlustfrei kopier-, tausch- und vervielfältigbar. Aus diesem Grund kann eine nutzungs- oder transaktionsbasierte Vergütung im Consumerumfeld dem Urheber nicht zugesichert werden. Gleichzeitig muss aber der Urheber digitaler Güter, sei es der freie Künstler oder eine Institution, in die Erstellung eines Werkes investieren und seine Kosten bzw. Lebensunterhalt bestreiten, dazu braucht er im heutigen System: Geld. An das kommt er aber nicht im ihm zustehenden Maße, siehe oben, und an den massenhaften Gutmenschen, der immer freiwillig und fair das bezahlt, was er um die Ecke auch umsonst haben kann, mag kein vernünftiger Mensch glauben. Solange also Urheber auf der einen Seite kein oder unangemessenes Geld für ihre Werk erhalten, aber auf der anderen Seite das Geld nun mal brauchen, haben wir es mit einem Parodoxon zu tun. Dies kann nicht dadurch aufgelöst werden, dass immer mehr Gesetze und Patente erlassen werden, denn dies führt in eine ungute Gesellschaft, in der kein netter Mensch leben möchte (Abmahnvereine, manisch Konfliktsüchtige und Anwälte ausgenommen). 

      Ich sag jetzt mal wann ganz Irres: Wir können alle miteinander die Auswirkungen der Digitalen Revolution auf unser ökonomisches, kulturelles  und soziales System noch gar nicht abschätzen, wir sehen schemenhaft den Anfang von etwas radikal Neuem. Die Diskussion um das Urheberrecht lässt uns das erahnen, denn sie wird sich im Kreis drehen. 

    16. 15. Februar 2012 at 21:16

      Leider stimmt die Prämisse nicht: „Das Urheberrecht soll einen möglichst konfliktfreien, gerechten Ausgleich zwischen Urheber und Nutzer ermöglichen“
      Es geht nicht um einen „möglichst konfliktfreien, gerechten Ausgleich“. Es geht um einen Ausgleich. Und der heißt: Ware gegen Geld. Und dieser Ausgleich ist nie „konfliktfrei“, weil der eine will das Geld und der andere will es nicht hergeben. Man nennt das „Verhandlung“, und was rauskommt „Preis“. Und um „Gerechtigkeit“ muss bei einem solchen geschäft niemand per Gesetz kümmern, denn der Preis findet sich zwischen den Konfliktparteien im Rahmen der Verhandlung. Das nennt man „Markt“.
      Geistiges Werk ist nicht mehr und nicht weniger eine Leistung, die bezahlt werden muss. Ich schreibe ein Buch, und wenn das gedruckt und verkauft wird, bezahlt der Käufer dafür. Und zwar 70 Jahre nach meinem Tod, damit meine Nachkommen auch etwas davon haben. Ich kann ihnen nämlich keine Schreinerei oder ein Automobilunternehmen oder ein Start-Up vererben, das ich mit meiner geistigen Leistung auch schaffen hätte können.
      So einfach ist das. Und ich weiß nicht, was daran geändert, gekürzt oder gekappt werden sollte. Egal, ob ein Buch gedruckt wird, ob es jemand vorliest, oder ob jemand die Buchstaben in Einsen und Nullen übersetzt und sie über das Internet verschickt.
      Geistiger Diebstahl ist Diebstahl und Piraterie ist Piraterie. Basta.

    17. Max Winde
      15. Februar 2012 at 21:21

      Warum sollen deine Nachkommen etwas davon haben, dass du mal ein Buch geschrieben hast?

    18. 15. Februar 2012 at 21:34

      Weil das bei materiellen Gütern auch so ist. Da ist es sogar so (bei einem Stück Gold, zum Beispiel), dass dessen Besitz bis in alle Ewigkeit vererbt wird. Bei immateriellen, vom derzeitigen Urheberrecht geschützten Gütern, ist dies nur bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers der Fall. Das ist eine Einschränkung, über deren Abschaffung man auch nachdenken sollte.

    19. ramses101
      15. Februar 2012 at 22:01

      @Marc Ritter: Ein Stück Gold lässt sich auch recht einfach über tausend Jahre vererben: irgendwer kriegt es halt und gibt es dann weiter. Aber wie sollen denn Nachfahren geistiger Goldstücke die Tantiemen über so eine Zeit verteilen? Wer soll damit Geld verdienen dürfen, dass jemand Mozart spielt? Und mit welcher Begründung? Ich bin ein großer Freund des Urheberrechtes, aber es sollte genau so wenig vererbbar sein, wie es übertragbar ist.

    20. Jan
      15. Februar 2012 at 22:16

      @marc: Ich habe kurz geschaut: Du bist ja Krimiautor, oder? Ich hab keines Deiner Bücher gelesen, aber nehmen wir mal an, Du hast einen ausgesprochen innovativen und individuellen Stil. Dann folgst Du trotzdem in einem gewissen Rahmen den genretypischen Mustern die von all den Krimiautoren vor Dir geprägt wurden. Das ist genau das Problem mit geistigen Schöpfungen: Du erbringst sie nicht im luftleeren Raum. Ein Klumpen Gold ist ein Klumpen Gold. Ein Musikstück hingegen, oder ein Text basiert auf der gesamten Geschichte der Musik oder Literatur, ob bewusst oder unbewusst.

      Würdest Du jedes Mal, wenn Du ein bestimmtes Plot-Device (ich habe keine Ahnung, was der deutsche Ausdruck dafür ist) benutzt, Gebühren dafür zahlen wollen? Aber wenn Du das Urheberrecht so streng auslegen willst, wo ist da die Grenze? Was ist schützbar? Und das für immer?

    21. 15. Februar 2012 at 22:24

      @Marc zu Deinem ersten Post: Deine Schreinerei-Metapher hinkt. Ein Schreiner kann seine Werkstatt auch nur deswegen vererben, weil er sein Leben lang als Schreiner gearbeitet hat und so seine Investition in Maschinen tätigen konnte. In Deinem Fall gibt es keine Schreinerei, aber sehr wohl die Möglichkeit, Deine Erträge in andere Dinge (Immobilien, Versicherungen, Goldklumpen) zu investieren.

      Für die meisten Deiner Kollegen (ich kann Deinen Bekanntheitsgrad nicht abschätzen) dürften die 70+ auch vollkommen irrelevant sein. Wenn Du (bzw. ein Kollege) heute ein Buch schreibt – Wie viele Exemplare wird er davon wohl in 15 Jahren noch verkaufen? Wenn sein Name nicht gerade Umberto Eco ist, vermutlich eher so Null exemplare, oder?

      Und genau darum gehts ja beim Urheberrecht eigentlich: Die Hauptzeit, in der ein Werk sich richtig gut verkauft zu schützen. Alles was danach kommt, spielt für die Urheber quasi keine Rolle mehr, sehr wohl aber für die Verwerter (Aha!), denn die akkumulieren ja die Werke aller Ihrer Autoren und ab und zu ist dann eben auch mal ein Eco, ein Süsskind oder ein Kleist dabei.

    22. 16. Februar 2012 at 01:29

      Interessant ist, wie geldfixiert der Beitrag daher kommt. Was ist denn mit anderer Bezahlung? Ich werde z.B. gerne mit Geld bezahlt – aber alternativ auch mit Quellcode; deswegen schreibe ich GPL-lizensierte Software.

      Dass du „möglichst gut“ mit „möglichst populär“ gleich setzt, da würde ich sogar mitgehen. Dann aber bitte von Anfang an präzise formulieren – sonst glauben auch gewisse Verteilungsschlüssel-Apologeten, du ständest mit ihnen auf einer Linie.

      Du hast im Übrigen etwas vergessen, das dir vielleicht nicht, Einigen anderen allerdings sehr wichtig sein dürfte: Die Durchsetzung von Urheberrechten darf nicht Spyware und Malware auf den eigenen Geräten erzwingen oder voraussetzen. (Noch mal zur Erinnerung: Malware ist Software, die unerwünschte Funktionen gegen den Willen des Geräte-Eigners ausführt. Auch wenn sie von Apple oder Sony kommt.)

    23. mühsam
      16. Februar 2012 at 01:50

      Die Handwerkernachkommen zahlen Erbschaftssteuer und wenn ich sehe wie Künstlererben mit dem Nachlass umgehen bin ich schon dafür die Schutzfrist radikal zu verkürzen oder abzuschaffen.

      @jan Warum soll das später für den Urheber keine Rolle mehr spielen? Nur weil nichts mehr verkauft wird, ist es immer noch sein Werk mit dem er möglicherweise verwachsen ist. Wenn ein Autor sein Buch nicht verfilmt sehen möchte, sollte das auch sein Recht sein darüber zu entscheiden.

    24. Pingback: Meins! – Meins! – Meins! « The Difference

    25. Max Winde
      16. Februar 2012 at 11:47

      Natürlich kommt der Beitrag Geldfixiert daher. Es geht ums Urheberrecht. Da geht es nur um Geld. Wenn du dir statt Geld Quellcode oder anderen nicht für was sinnvolles eintauschbaren Müll andrehen lässt: selber Schuld, ich werde es im Kopf behalten, falls ich mal mit dir Geschäfte machen sollte.

    26. 16. Februar 2012 at 12:23

      Das ist ja auch ein beliebtes Argument bei Kunden, wenn sie nicht zahlen wollen/können: „Aber das ist doch auch super für deine Reputation!“ Ja, mag sein. Beim Frisör bekomme ich mit dem Argument aber auch keinen Haarschnitt.

    27. 16. Februar 2012 at 12:48

      Ich würde sagen es geht um Motivation… Geld ist eine Art Motivation (und momentan die auf die wir wohl hauptsätzlich setzen mit unserem System).
      Wenn man Leute anders motivieren kann Bücher zu schreiben, _könnte_ Geld in den Hintergrund treten.

      Sprich: kaum jemand verdient an Lolcats-Bildchen, sie brauchen auch irgendwie Zeit zum erstellen, trotztdem gibt es massenweise davon.
      Ich sage nicht dass es einfach wäre eine Alternative zu finden oder dass das der Weg wäre den wir jetzt unbedingt einschlagen sollten. Ich gebe aber zu bedenken dass auch heute die wenigsten Leute die Bücher schreiben damit ernstzunehmende Beträge verdienen.

      Es ist also weniger „Mein Frisör schneidet mir die Haare weil es gut für seine Reputation ist“ als „Haare schneiden ist Hobby Nr.1 in Deutschland, nur die besten/bekanntesten können damit noch Geld verdienen und mein Kumpel spielt für mich Frisör weil er mal wieder was neues ausprobieren wollte.“

      … und ja: Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich.

    28. 16. Februar 2012 at 13:15

      Blöderweise wird in der Debatte viel verglichen werden müssen, was man eben nicht vergleichen kann, denn für LOL-Cats-Bildchenmacher muss es das gleiche Recht geben können, wie für den Komponisten einer Filmmusik. Auch wenn dazwischen Welten liegen. Der Unterschied ist dann natürlich, dass der Bildchenmacher vermutlich nicht einen Cent sehen wird. wenn er auf sein Urheberrecht pocht. Muss er aber auch nicht. Deshalb muss es Möglichkeiten geben, seine Kreationen einfach „freizulassen“.

      Der Komponist aber muss damit Geld verdienen. Und ich erwarte von einem modernen Urheberrecht, dass er nicht nur Geld vom Filmproduzenten bekommt, sondern abgesehen davon entscheiden kann, was er mit der Musik macht: Will er noch mehr Geld damit verdienen soll er sie als Download oder Tonträger verkaufen dürfen. Reicht ihm die Filmkohle, soll er sie kostenlos im Internet anbieten dürfen.

    29. 16. Februar 2012 at 13:17

      @ Jan: Wie lange meine Bücher verkauft werden, spielt ja keine Rolle, denn wir wissen ja nicht, ob es in 20, 30, 40 Jahren nicht ein Revival dieser Texte gibt. So, wie derzeit alte Tatorte auf DVD rauskommen. Und Verwerter teilen ja immer mit den Autoren. Wenn die Schutzfrist nach 5 Jahren ausliefe (wie das die durchgeknallten Piraten wollen – was treibt die eigentlich an, deren Wähler dürften doch zu 96,56 % „was mit Medien“ machen und selbst Urheber sein, ohne es vielleicht oft zu wissen, was sie ihren Agenturen und Start-Ups als Freelancer alles kostenlos liefern), hieße das, dass meine Werke nach 5 Jahren „geimeinfrei“ wären und jeder, auch Aggregatoren und Verwerter, damit machen können, was sie wollen. Das kann natürlich nicht sein.

    30. 16. Februar 2012 at 13:21

      @ mein Beitrag oben: „gemeinfrei“ natürlich.
      @ ramses101: Gute Idee – das brüllt natürlich nach einer technischen Lösung, also einem Urheberrechtsverwertungsamt, bei dem ich registrieren lassen kann, ob meine Rechte kostenlos genutzt werden können oder nicht. Und dann muss jedem Werk eine digitale Signatur anhaften, aufgrund derer Nutzer das erkennen können. Und dazu braucht man dann einen Scan bei Netzbetreibern, die den Datenfluss nach illegalen Nutzungen untersuchen. Sorry, Leute, das wird dann nach „Überwachung“ riechen. Also: Hände weg vom Urheberrecht in seiner derzeitigen Form, dann braucht man nichts zu registrieren und nichts zu scannen.

    31. 16. Februar 2012 at 13:29

      Man muss ja nicht zwingend den kompliziertesten technischen Weg gehen ^^

    32. 16. Februar 2012 at 13:35

      Ironischerweise sind die Rechte auf Photos (von Katzen) heute teilweise sehr viel besser durchsetzbar als Rechte auf Bücher zum Beispiel.
      Du schreibst ein gutes Buch? Man ändert ein paar Namen und Daten, übernimmt ansonsten den größten Teil der Handlung und verfilmt es? Viel Spaß vor Gericht.

      Jemand knippst ein paar Bilder von deiner Katze/Lebensmittel/whatever? Jemand legt ein paar Filter drüber, schreibt nen lustigen Text dazu und photoshopped sonst noch etwas dran rum: Du wirst keine großen Probleme haben von dem Typen Geld zu bekommen.

      Woher nehmt ihr die Gewissheit dass ein Komponist mit seiner Musik Geld verdienen „muss“?

      @Marc
      Warum ist es schlimm wenn dein Werk nach 5 Jahren gemeinfrei wird? Rechnest du fest damit? Ist das der Grund warum du dein Werk geschaffen hast? Wenn nicht, so ist dein Werk zu diesem Zeitpunkt eben bereits geschaffen und es besteht einfach kein Bedarf mehr dich damit zu motivieren dieses Werk zu schaffen.
      Als Ausgleich erhältst du dafür jedes Jahr große Mengen 5 Jahre alter Werke die du unter gemeinfreien Bedingungen verwerten darfst. Du musst dir dort keine Gedanken machen wer der Urheber war und zu welchen Bedingungen du das nutzen darfst. Quelle drunter (aus Anstand), remixen und fertig. Plötzlich hat dich Gemeinfreiheit zu einem neuem Werk motiviert.

      Wie gesagt: Es geht nicht um Geld, es geht um Motivation Werke zu schaffen.

    33. 16. Februar 2012 at 13:54

      @Dr. Azrael Tod:

      Ich gehe davon aus, weil es der Komponist in meinem Beispiel muss. Er macht das nämlich beruflich (ich weiß das deshalb so genau, weil ich mir das Beispiel ausgedacht habe). Würde er damit kein Geld verdienen, müsste er tagsüber Geld verdienen und dürfte dann abends die Musik komponieren, mit der dann ein Filmemacher Geld verd… nee, halt, der muss ja auch tagsüber Geld verdienen, seinen Film kann er ja auch nach Feierabend drehen.

      Damit alle anderen, die auch tagsüber Geld verdienen, abends einen schönen Film sehen können. Zeit genug haben sie ja.

    34. 16. Februar 2012 at 14:01

      @Dr. Azrael: Quatsch: „Motivation Werke zu schaffen.“ Es geht ums pure Überleben. Das ist Motivation genug. Und außerdem geht es sowieso niemanden an, warum jemand künstlert. Er muss dafür ordentlich bezahlt werden. Wenn seine Sachen jemand will. Schriftsteller, Musiker, bildende Künstler sitzen meist nicht mit dem Glas Barolo in der Hand in der Toskana und lassen sich ab und an einen sechsstelligen Scheck mit Tantiemen schicken, den sie dann zufrieden nickend ihrer Buchhalterin zur weiteren Verwendung auf den Schreibtisch legen. Sie knapsen zu 90 % am Existenzminimum. Und zwar von unten.

    35. 16. Februar 2012 at 14:09

      mit Verlaub: BULLSHIT

      Es geht und ging nie darum sicherzustellen dass $Personen von $Tätigkeit leben können, sondern schlicht um einfach um den Erhalt von $Kultur.
      Wenn diese Kultur geschaffen wird indem wir Künstler bezahlen, dann ist das schön, wenn das nicht ausreicht muss man sich eine Alternative überlegen und wenn die Kultur geschaffen wird egal ob jemand Geld bezahlt, dann wird das logischerweise den Preis senken.
      Wenn also ein Künstler nicht genug Geld verdient, kann und wird er sich eine Tätigkeit suchen bei der er das tut. Wo ist damit dein Problem?

    36. 16. Februar 2012 at 14:20

      @Dr. azrael: Mein Problem ist, dass ich der Künstler bin. Wenn Künstler verhungern, wer macht dann die Kunst? Die Banker? Die Metzger? Die U-Bahnfahrer?

    37. 16. Februar 2012 at 14:24

      „Wenn diese Kultur geschaffen wird indem wir Künstler bezahlen, dann ist das schön, wenn das nicht ausreicht muss man sich eine Alternative überlegen und wenn die Kultur geschaffen wird egal ob jemand Geld bezahlt, dann wird das logischerweise den Preis senken.“

      Sorry, das ist einfach nur wirres Zeug. Aber egal, was du damit eigentlich sagen willst: Das Recht, mit seinem Werk Geld zu verdienen (auch wenn es nicht genug zum Leben ist), muss beim Urheber bleiben.

    38. 16. Februar 2012 at 14:35

      @Dr. azrael: Mein Problem ist, dass ich der Künstler bin. Wenn Künstler verhungern, wer macht dann die Kunst? Die Banker? Die Metzger? Die U-Bahnfahrer?

      Im schlimmsten Fall: ja?
      Wer schneidet dir die Haare, wenn Haare schneiden zum Hobby wird und kein Frisör alleine davon mehr leben kann?

      Was ich jedenfalls sagen wollte: Dass du als Künstler Geld verdienst ist eine schöne Sache für dich, aber eben nicht das Ziel. Das Ziel ist dass wir Kunst wollen, das können wir erreichen wenn wir Leuten Geld bezahlen oder halt anders.
      Sprich: Es geht nicht um Geld, es geht um Motivation. Geld ist eine Art der Motivation. (um mich erneut zu wiederholen)

    39. 16. Februar 2012 at 14:42

      So einfach: Nutzer zahlen für Kunst. Und mein Problem als Künstler ist, dass ich (oder mein „Verwerter“) genug Leute finde, die das tun. Nur muss Rechtssicherheit herrschen, das meine Kunst auch bezahlt wird. Und das nennt man Urheberrecht. Und das sollte bestehen bleiben, wie es ist.

    40. Jan
      16. Februar 2012 at 14:54

      @Marc: Ich möchte Dich inständig bitten, Dich mit der Geschichte und der rechtsphilosophischen Grundlage von Urheberrechten auseinanderzusetzen.

      Danach können wir weiter diskutieren. So lange Du immer behauptest „das ist mein gutes Recht und die Bösen Piraten wollen mir meine Lebensgrundlage stehlen“ werden wir immer aneinander vorbei reden.

      Wir können uns gerne darüber unterhalten, wie wir es besser schaffen, Künstler über Wasser zu halten, aber das hat leider mit dem Urheberrecht weniger zu tun, als Dir lieb ist.

    41. David
      16. Februar 2012 at 15:50

      Um den Konflikt vielleicht ein wenig aufzulösen, würde es vielleicht Sinn machen verschiedene Schutzfristen je nach Medienart zu entwickeln – für Bücher oder Musik mögen vielleicht 20 oder auch 40 Jahre Sinn machen, für anderes (Fotos, Bilder, Videos und insbesondere Software) sollten die Schutzfristen aber deutlich reduziert werden, einfach weil die Art der Mediennutzung eine ganz andere ist: Das man 100 Jahre alte Bücher liest erlebt jeder in der Schule, aber wo bekommt man noch 20 Jahre alte Software her?

    42. Max Winde
      16. Februar 2012 at 16:13

      @David: über die unterschiedlichen Schutzfristen für unterschiedliche Medienarten habe ich auch schon nachgedacht. Allerdings fürchte ich, dass die Mediengrenzen in den nächsten Jahren sehr schnell verschwimmen werden. Was passiert mit einem Buch mit Videos drin?

    43. 16. Februar 2012 at 16:47

      Na das wäre doch eindeutig Software (höhöhö).

    44. Dave
      16. Februar 2012 at 18:22

      @Marc Ritter
      Hast du eigentlich die Erlaubnis die ganzen Pressetexte auf der Webseite zu posten?
      Hier fängt das ach so tolle Urheberecht bereits an..

    45. Andreas
      17. Februar 2012 at 11:46

      Hey Max, eine interessante Diskussion hast du hier gestartet.

      Was mir hier in der Diskussion zum Urheberrecht auffällt:
      Es prallen 2 Typen der „kreativen Klasse“ aufeinander, wobei der eine Typus (starker IT-Hintergrund à la Piraten) vermeintlich besser vernetzt,organisiert, finanziell und beruflich besser abgesichert ist als der andere (die sog. Kulturschaffenden).
      Kutlurschaffende – Autoren, Musiker, Fotografen,usw – schaffen in der Regel etwas von Dauer, was aber auch in der Regel nicht ausreicht, um davon im Haupterwerb leben zu können. Ganz anders als bspw. in der Software-Entwicklung: der Wert eines Softwarepatents verfällt in der Regel deutlich schneller, wirft aber im Zweifel schneller Ertrag ab. Zudem kann ein junger Kulturschaffender von den Gehältern eines durchschnittlichen Entwicklers nur träumen.

      Zum „Konzept“ des Kulturschaffenden gehört auch dazu, dass die Hoffnung auf 1 oder 2 Volltreffer besteht, die es dann ermöglichen, dass sich ganz der Kunst und Kultur gewidmet werden kann. Ich glaube bei ca. 90% aller Kulturschaffenden tritt dies aber nie ein (eigentlich eine sehr irrationale Entscheidung Künstler zu werden). Dieses Konzept wird aber unterstützt bzw. ermöglicht durch das Urheberrecht. Verkürzt man dieses dramatisch wird es schlagartig weniger Menschen geben, die sich für diesen Karriereweg entscheiden werden und Kultur schaffen.

    46. Joerg
      17. Februar 2012 at 18:29

      Die meisten Sachen sind ok, dass mit dem Umweltschutz durch höherer Vergütung von nicht matriellen Dingen kann ich in keinster weise nachvollziehen.
      Das ist doch im höchsten Maße vorgeschoben.

      Das kann dann nur von einem Softwareprogrammierer kommen, der seine Arbeit bessergestellt haben möchte. (Ich bin selber in der Software)
      Es ist aber Quatsch, das mit Umweltschutz zu begründen. Denn auch ein Programmierer verbraucht Ressourcen in Form von Energie, Rechnerhardware, Infrastruktur usw.

      Materielle Produkte haben den Vorteil, dass sie eben nicht so einfach kopiert werden können. Das ist dann eine Art natürlicher Dongle, der dann aber auch in China geknackt wird und dann produziert eine Firma Kopien.

      Bei der Software ist eine Kopie das Original und das macht es kompliziert. Dafür muss ich für jedes Materielle Produkt jedes mal Geld reinstecken, um es zu bauen, die Software ist auch für den Hersteller quasi unendlich kopierbar. Er hat kaum Stückkosten sondern nur Fixkosten, die hat der Hardwarehersteller aber auch, meist sogar noch viel mehr.

      Beide Bereiche haben also ihre Probleme, Fingerpointing hilft da nicht weiter.

      Den Punkt würde ich an deiner Stelle streichen, weil er genau das macht, was wir immer kritisieren: Leute versuchen sich selber besser zu stellen.

    47. Max Winde
      18. Februar 2012 at 01:30

      Bei der Massenproduktion von virtuellen Gütern verbraucht man praktisch keine Ressourcen, bei der Massenprdouktion von physischen Gütern schon. Das ist kein „Besserstellen“ sondern ein Fakt. Und das ist umweltfreundlicher: auch ein Fakt. Und darum finde ich es förderungswürdig.

    48. Jens
      18. Februar 2012 at 20:20

      Ah, ok Max, dann muss man aber jedes mal, wenn man ein virtuelles Gut auf einem physischen Gerät wiedergibt (also quasi immer), eine Abgabe zahlen, damit sich die Benachteiligungfür die Produzenten der Hardware rechnet.
      Ansonsten steht man dann irgendwann halt ganz virtuell ohne Geräte da.
      Du siehst wohin der Quatsch führt?

      Da kann ich Joerg nur zustimmen.
      Aber gut, ist deine Meinung´, ist halt nur schade, den Rest fande ich auch ganz in Ordnung, leider können solche Punkte eine konstruktive Diskussion zum erliegen bringen, weil plötzlich diverser Grabenkämpfe auf der einen Seite ausgetragen werden, was der anderen Seite nur hilft.

    49. Pingback: WMR36 / Märchenstunde19 – Des Kaisers neue Kleider / Praying to the Netzgemeinde » Wir. Müssen Reden

    50. Karsten
      15. März 2012 at 20:52

      Habe Sie gerade im Rahmen des „Elektrischen Reporters“ gesehen. Sie beklagen sich darin, dass Sie, wenn ein „Hype“ über eine TV-Serie von den USA nach Deutschland schwappt, selbige nicht umgehend auf Ihrem Computer ansehen können. Diese Denke ist, offen gesagt, gaga zum Quadrat. In case you missed it: Damit Sie sich an der herausragenden Qualität der Serie erfreuen können, muss der Produzent zunächst erstklassige Drehbuchautoren anheuern und hoch talentierte Schauspieler casten. Das alles kostet Geld. Den Schotter will der Gute — wer will es ihm verübeln — wieder reinholen — von den Abnehmern der Serie: TV-Anstalten IN ALLER WELT und DVD/BluRay-Käufer IN ALLER WELT! Fazit: Damit er eine gute Serie machen kann, muss er auf Ihre infantilen Wünsche pfeifen. Get a life. Btw: Ich fand Ihre Beiträge beim Spreeblick übrigens allesamt scheiße.

    51. Martin Gartner
      15. März 2012 at 21:24

      @Karsten: Sie sind nicht zufällig ein Vertreter der Filmindustrie?

    52. 15. März 2012 at 21:26

      Ich habe ein paar Freunde, die Bands haben. Die sind nicht arm, aber auch nicht reich. Ich habe ein paar Freunde, die malen. Die sind nicht reich, aber auch nicht arm. So war es mit der Kunst übrigens immer. Nur sehr wenige wurden sehr erfolgreich, nur sehr wenige wurden reich genug. Heute heißen diese Leute eben Lady Gaga und Rihanna. Vor ein paar Jahren gab es auf dieser Bühne vielleicht ein paar mehr Leute. Das hat sich geändert. Das tut mir Leid. So ist das Leben.
      Das Urheberrecht im Internet im klassischen Stil durchzusetzen, ist wie alle Leute davon zu hindern, bei rot über die Straße zu laufen. Nur möglich mit totalitären Maßnahmen, Scharfschützen auf den Ampeln, die dann zu drastischen Maßnahmen greifen. Und doch werden ein paar Leute immer noch über rot gehen, vielleicht tragen sie dann Waffen und… ich weiß, der Vergleich rutscht nun ein wenig ab. Was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass es einfach neue Realitäten gibt und das ganze Geld, das diese Unternehmen Jahre lang in die Bekämpfung gesteckt haben, einfach irgendwo anders hingesteckt haben sollten. Sie können es jetzt besser machen.
      Um zum Anfang meines (unglaublich unstrukturierten und jedem Stilmittel – außer vielleicht „Verwirrung“ – entbehrenden) Kommentars zurückzukehren: die meisten Künstler, die ich kenne, stören sich nicht am Internet.

    53. 15. März 2012 at 21:33

      In einer globalisierten Welt, sollte es auch möglich sein sich, gegen Geld, amerikanische Serien zu kaufen/leihen. TV-Anstalten haben scheinbar nicht begriffen, dass die Fernsehenden nicht nur Produkt (für Werbekunden), sondern auch Kunde sein können. Außerdem: Wer will schlecht synchronisierte Serien wie „How I Met Your Mother“ in deutsch sehen?

      Ich wäre sofort bereit, für jede Folge einen Euro einzuwerfen, wenn ich sie am Tag nach der Ausstrahlung sehen könne. Aber in Österreich haben wir ja noch nichtmal Fernsehserien zum Leihen.

      DVDs/Blurays sind keine Zukunft. Wieso gibt es erst eine DVD im Handel, bevor ich die Möglichkeit habe, sie im Internet zu kaufen? In der modernen Welt des Internets ist dieser Weg des Vertriebs der Falsche. Kinofilme sollen gerne zuerst im Kino gezeigt werden, 1-2 Monate danach über das Internet vertrieben werden. Fernsehserien laufen schon im Fernsehen, der Kunde bezahlt nicht dafür. Einer Veröffentlichung im Internet am nächsten Tag, oder direkt nach der Austrahlung steht nichts im Weg.

    54. Hayssam
      15. März 2012 at 21:36

      @Karsten Sachliche, zielführende Argumentation. Nicht vergriffen im Tonfall, nicht an der Realität vorbei, sehr kundenzentrierte Argumentation.

    55. 16. März 2012 at 01:33

      @Martin Gartner: Nein, Gärtner.
      @Hayssam: Was gabs denn zu Abend in der Außenwohngruppe?

    56. Stefan
      16. März 2012 at 09:12

      gut geschrieben,

      „unabhängig von der Verpackung“,
      finde ich noch wichtig, d.h. Lizenzierung (für Endkunden) sollte
      unabhängig vom Medium sein, also wer bereits die BluRay bezahlt hat
      sollte nicht belangt werden wenn er sich die DVD raubmörderkopiert,
      oder sich auf HDD zieht und für seine Nutzung auf beliebig vielen Rechnern hat

    57. 16. März 2012 at 13:50

      Übrigens: Mein obiger Kommentar (der erste) hielt es im „Elektrischen-Reporter“-Thread gerade mal 3 Minuten aus, dann wurde er gekickt. Vermutlicher Grund: Ich verballhornte deinen Namen zu, genau, Max Darmwinde. Das ging natürlich gar nicht. In einem Anfall von Kadaverkorpsgeist im Endstadium wurde mein Input dem trashcan überantwortet. Schließlich warst du ein wesentlicher Teil der Sendung, für die die Fa. Blinkenlichten jeden Monat unfassbar viel Kohle aus Mainz abgreift. Let´s face it: Mario Sixtus hat mit Kritikfähigkeit ungefähr so viel zu tun wie Reiner Calmund mit niedrigen Blutfettwerten. Nochmal zu dir: Heinis wie du sind schuld daran, dass Produzent Bryan Singer meine Lieblingsserie „House“ nach der achten Staffel einstellen muss, weil die Produktionskosten nicht mehr refinanziert werden können. Dabei ist Hugh Lauries Synchronstimme, Klaus-Dieter Klebsch, viel besser als das Original. Gleiches gilt für Anja Stadlober, die Olivia Wilde timbre-mäßig alt aussehen lässt. Kurzum: Ich bin dankbar für gut gemachte Synchronfassungen und warte gerne, bis US-Serien im deutschen Fernsehen aufschlagen. Anders als du, hab ich nämlich noch andere Interessen. In meiner knapp bemessenen Freizeit widme ich mich dem Sägen von Laub.

    58. 16. März 2012 at 14:46

      Ich säge ja lieber Zwieback. #scnr

    59. Marcel
      16. März 2012 at 14:49

      Hallo Karsten.

    60. 16. März 2012 at 16:23

      Na dann muss ich auch mal ein paar Gedanken dazu geben.

      Es fängt an mit einigen Grundsätzen, über den man nicht diskutieren muss:

      – Digitale Daten sind kopierbar. Kopieren kostet quasi nichts, verbraucht quasi keine Ressourcen, sind alle identisch untereinander und mit dem Original.
      – Durch den Vorgang des Kopierend wird das Original weder beschädigt, noch abgenutzt oder gar entfernt (wie das beim Diebstahl eines physischen Gegenstands wäre).
      – Die Technologie zum Kopieren ist vorhanden und wird auch nicht mehr verschwinden, ungeachtet aller Gesetze und technischer Schutzmaßnahmen, die bis jetzt immer durch vergleichsweise wenig Aufwand umgangen werden konnten (siehe HDCP).

      Fazit: Es wurde kopiert, es wird kopiert und es wird weiterhin kopiert werden. Es gibt keine Möglichkeit, das zu verhindern.

      Was nun die Vergütung der Urheber betrifft:

      Vollkommen unabhängig von der Möglichkeit des Kopierens, geht man IMO hierbei von grundsätzlich falschen Voraussetzungen aus. Es heisst immer „ein Urheber muss davon leben können“. NEIN, muss er NICHT. Es besteht auch hier eine Angebot-Nachfrage-Beziehung. Nachfrage ist hierbei die Nachfrage nach _bezahltem_ Content, NICHT nach frei kopiertem, da letztere eben NICHT 1:1 auf erstere Umgelegt werden kann. Diese Nachfrage ist u.a. auch abhängig vom Budget der potentiellen Abnehmer, welches begrenzt ist.
      Die derzeitige Situation ist, dass Abnehmer durchaus ihr Budget zum Erwerb digitaler wie auch physischer Inhalte oder Mediendienstleistungen nutzen. Die Umsätze der gesamten Contentindustrie und somit auch der Gesamtheit der Urheber sind im letzten Jahrzehnt gestiegen, nicht gesunken.
      Wo liegen also nun die Probleme?

      1) Es gibt mehr Arten von Mediencontent: Wurde das Budget in der Vergangenheit vielleicht in Tonträger, Bücher/Magazine/Zeitungen und gelegentlich Konzerte investiert, wird es heute zum Teil in neue Medien gesteckt, d.h. Computer- und Videospiele, Apps, Filme und TV-Serien. Bei einem Budget auf selbem Niveau MÜSSEN alte Medientypen auf einen Teil davon verzichten. Selbst beim tatsächlich gestiegenen Budget kann man nicht davon ausgehen, dass es für gleichbleibende Ausgaben für alte Medien ausreicht.
      2) Die Auswahl hat sich verändert: Tonträger müssen zurückstecken, wohingegen mehr Budget in Konzerte und Merchandising fließt.
      3) Es gibt zu viele Inhalte, die zu weit diversifiziert sind. Michael Jackson konnte gigantische Summen einnehmen, da es erstens schlichtweg weniger Genres gab und somit ein höherer Anteil aller potentiellen Läufer sich für seine Musik interessierte und zweitens es weniger Konkurrenz gab, es einfach nicht die Möglichkeit gab, dass jeder seine Musik weltweit bekannt machen kann.

      Fazit daraus:
      Das Budget für Medieninhalte (= die Nachfrage) mag steigen, aber das Angebot vergrößert sich noch viel schneller. Es gibt immer mehr Urheber, die sich sich um ihren Anteil am Kuchen streiten. Somit wird das Kuchenstück, das jeder Urheber erhalten kann, immer kleiner.
      Urheber – auch Künstler – haben nicht das grundsätzliche Recht, durch die Einnahmen ihrer Inhalte leben zu können, denn für eine beliebige Anzahl an Urhebern müsste auch ein beliebig hohes Budget bereitstehen. Dieses ist aber begrenzt. Dabei ist es vollkommen egal, wie gut sie sind. Wenn es in Deutschland morgen 1.000.000 superprofessionelle Bildhauer gibt, wird trotzdem nur ein Bruchteil von ihnen von ihrer Kunst leben können, weil einfach keine 1.000.000 Bildhauer bzw. ihre Werke nachgefragt oder bezahlt werden können.

      Ich hatte zu diesem Thema vor kurzem auch eine angeregte Diskussion mit einem Labelchef, in der er sich selbst deutlich widersprach und die Argumente der Contentindustrie widerlegte.
      Er fing natürlich mit dem üblichen Argument an: „Wer kopieren kann, kauft weniger, dadurch gehen Einnahmen verloren“. Ich riet ihm darauf hin, sich mehr auch etwas zu konzentrieren, was man nicht kopieren kann. So erfreuen sich z.B. teure Special Editions von Alben größter Beliebtheit, da ihr Wert nicht in der darauf enthaltenen Musik liegt (die ja beliebig kopierbar ist), sondern in der Einzigartigkeit des physischen Gegenstands, auch wenn diese nur durch die Seriennummer der Limited Edition zustande kommt. Der Labelchef meinte daraufhin, dass sie nicht so viele teure Special Editions verkaufen können, da ein großer Teil der Fans seiner Bands aus Schülern, Studenten, Hartz IV-Empfängern usw. besteht, die einfach KEIN GELD DAFÜR haben und eh schon alles was ihnen zur Verfügung steht für Konzerte und gelegentliche Medienkäufe ausgeben.
      D.h. auch wenn man von heute auf morgen NICHTS mehr kopieren könnte (was ja eh nicht passieren wird), würden die Einnahmen des Labels UM KEINEN CENT steigen, da die Fans einfach nicht mehr haben, was sie ausgeben könnten.

    61. Max Winde
      16. März 2012 at 16:54

      @NeoVanGogh Limited Editions sind genau so ein Ding, was ich meinte: Die werden produziert und durch die Gegend verschifft, nur um dann im Regal zu verstauben und nach ein paar Jahren weggeworfen zu werden. Das kostet einen Haufen Rohstoffe und zerstört die Umwelt. Anstatt Geld für solchen Müll auszugeben, sollten wir unser Geld lieber für digitalen Müll ausgeben, der nach ein paar Jahren zwar genau so wertlos ist, aber der auf dem Weg von der Produktion zur Vernichtung wenigstens nicht so viele Ressourcen zerstört hat.

      Wenn der potentielle Kunde eines Kreativen kein Geld hat sich die Produkte zu kaufen, dann hat der Urheber natürlich Pech gehabt. Aber die Mehrheit der Menschen hat eben ein Einkommen und kann sich davon Dinge kaufen. Ich bin kein BWLer, aber ich vermute, dass es mehr Sinn macht, sich auf potentielle Kunden mit Geld zu konzentrieren, als auf solche ohne.

      Ich habe auch nie gefordert, dass Künstler (warum reden wir eigentlich immer nur über Künstler?) von ihrer Kunst leben können, ich habe mir bei der Formulierung des Artikels sogar sehr viel Mühe gegeben ihn so zu formulieren, dass genau nicht der Eindruck enstehen kann, dass ich das fordern würde. Offensichtlich ist mir dies nicht gelungen, du hast es dennoch geschafft.

    62. 16. März 2012 at 17:23

      Nur der Hersteller eines Produkts soll darüber entscheiden dürfen, wie sein Produkt erworben werden kann. Dieser Grundsatz nimmt allen Labertaschen, die prompte Verfügbarkeit propagieren, den Darmwind aus den Segeln. Diese Leute haben zudem keine Ahnung von Betriebswirtschaft. Andernfalls wüssten Sie, dass erst die Vernkappung eines Guts, also das genaue Gegenteil von Verfügbarkeit, die Werthaltigkeit des Produkts steigert. Logisch also, dass Hersteller null, nada, rien, zero Interesse daran haben, dass Mitmenschen wie Max Winde z.B. Medienprodukte partout sofort konsumieren wollen. Guess what: Derlei Wünsche widersprechen jedweder betriebswirtschaftlichen Logik und sind daher mit Bausch und Bogen abzulehnen.

    63. Max Winde
      16. März 2012 at 17:38

      @Karsten: Kunden Produkte zu verkaufen widerspricht betriebswirtschaftlicher Logik? Hast du das Laub heimlich geraucht anstatt es zu sägen?

    64. 16. März 2012 at 18:04

      @max: Ich bezog mich auch weniger auf den Blog-Eintrag, als auf die Kommentare, bzw. die Hintergründe des ganzen. Die sind nunmal, dass man davon ausgeht, von produzierten Inhalten leben zu können, das aktuelle Urheberrecht dies sicherstellen soll und es auf Urheberrechtsverletzungen geschoben wird, wenn es halt nicht möglich ist, davon zu leben.
      Was die Geschichte mit den Ressourcen betrifft, ist das IMO eine ganz andere Baustelle. Dabei geht es Umweltschutz, nicht um Urheberrecht. Natürlich gibt es – wie überall – Berührungspunkte, aber die müssen nicht unbedingt kongruieren. Digitale Güter sind wertlos da kopierbar, aber schonen Ressourcen. Physische Güter sind wertvoll da nicht kopierbar, aber verbrauchen Ressourcen.
      Über Künstler reden wir übrigens deshalb immer, weil durch Globalisierung und das Internet ein direkter Kontakt zwischen Künstler und Käufer möglich ist und der Zwischenschritt Verwerter keine notwendige Bedingung mehr ist.

      @Karsten: Sicher kann der Urheber darüber entscheiden, wie, wann und in welcher Form er etwas zur Verfügung stellt oder auch nicht. Es braucht sich dann aber nicht wundern, wenn der Schuss nach hinten losgeht. Es gibt Kunden, die ihre Medienprodukte sofort konsumieren wollen (auch wenn sie im eigenen Land noch nicht zum Kauf angeboten werden) und da es ebenfalls die technischen Möglichkeiten gibt, werden sie es auch tun.
      Von Betriebswirtschaft hast du übrigens leider auch keine oder zumindest nur wenig Ahnung. Die Verknappung eines Produktes wirkt nur dann wertsteigernd, wenn a) eine ausreichende Nachfrage besteht, b) keine Alternativen vorhanden sind und c) der Preis in einem für Kunden okayen Bereich liegt. Trifft das nicht zu, ist das Produkt wertlos.
      Beispiele:
      – Walfleisch ist in Deutschland sehr knapp, aber wertlos, da keine Nachfrage besteht, egal zu welchem Preis.
      – Neue iPads kann man in China für horrende Preise verkaufen, da keine Alternativen vorhanden sind (es ist das einzige Tablet mit iOS und einem Apfel) und die Nachfrage so hoch ist, dass genug Leut vorhanden sind, für die überhöhte Preise im akzeptablen Bereich liegen. Ein neues Motorola-oder-sonstwas-Tablet hingegen kann ich nicht für $2000 in China verchecken, weil die Leute sich für $600 auch ein gleichwertiges Tablet von Samsung, LG oder sonstwem kaufen könnten. Es gibt Alternativen.

    65. Karsten
      16. März 2012 at 19:03

      @Max Winde:
      > Kunden Produkte zu verkaufen widerspricht betriebswirtschaftlicher Logik?
      Sag mal, tust du nur so oder bist du wirklich so blöd? Dann eben nochmal für Sonderschüler: Nehmen wir an, ich sei in der Lage, geistiges Eigentum in Form eines Musikstücks anzubieten. Nehmen wir weiter an (natürlich bloß rein hypothetisch), du wärst an einem Download interessiert — den ich aber nicht anbiete, weil ich das Stück erst als 12 Inch-Vinyl-Maxi-Single in Venezuela auf den Markt bringen will, weil mein Schwager mit Hugo Chavez bekannt ist. Klar, du wärst gearscht, aber willst du ernsthaft mir, dem Urheber und Produzenten, vorschreiben, wie er sein Produkt am Markt lanciert? Kleiner Anfall von terminaler Hybris, würd ich sagen. Schon mal Zyprexa probiert?

    66. Tom
      16. März 2012 at 19:44

      @Karsten:
      Du geht mit deinem letzten Beitrag nicht auf das Zitat ein das du zitierst.

      Die Industrie beschwert sich und will in unsere Grundrechte eingreifen um ihr Vertriebsmodell zu schützen. Es ist ganz einfach so, dass die Ansprüche der Kunden gestiegen sind. Die Industrie kann mit diesen Ansprüchen nicht mithalten. Und das weil die zu träge sind. Ich lerne zum Beispiel gerade Spanisch und möchte gerne spanische Serien und Sendungen schauen. Warum kann ich das nicht tun? Ich würde gerne dafür bezahlen, kann ich aber nicht. Wenn ich mir die Folgen jetzt woanders hole, habe ich kein schlechtes Gewissen. Durch den Mangel den die Industrie erstellt steigt der Preis des Produktes auch nicht. Denn das Produkt wird schlichtweg nicht angeboten. In Spanien läuft es kostenlos im Fernsehen.

      Es ist aber sehr wohl so, dass ich wenn ich die spanischen Programme nicht schauen würde vielleicht deutsches Fernsehen und deutsche DVDs kaufen würde. Mache ich aber nicht. So verliert die Industrie Kunden. Das du das doof findest weil du gerne deutsches Fernsehen schaust kann ich verstehen, ändert aber an dem prinzipiellen Problem nichts.

    67. Karsten
      16. März 2012 at 20:27

      @Tom:
      > Du geht mit deinem letzten Beitrag nicht auf das Zitat ein das
      > du zitierst.
      Doch.
      > Es ist ganz einfach so, dass die Ansprüche der Kunden
      > gestiegen sind.
      Wir als Anbieter ist das scheißegal, da ich ausschließlich NACH MEINEM GUSTO mich am Markt bewege. Eure Hybris besteht darin, dass ihr glaubt, ihr würdet am längeren Hebel sitzen — umgekehrt wird ein Schuh draus! Ihr begehrt ja die Produkte (und Dienstleistungen?), die euch angeblich vorenthalten werden. Dann habt ihr halt die Arschkarte gezogen, solange ihr auf sie warten müsst. That´s life. Mütter mit kranken Kindern im Kongo wollen auch ganz schnell medizinische Versorgung für ihre Blagen. Kriegen Sie aber, wenn sie Glück haben, nur mit Verspätung. Warum sollen diese Mütter auf Hilfe warten und ihr auf ein verficktes Gadget oder ein Download nicht? Backt mal kleinere Brötchen und seid bescheiden. Euer Anspruchsdenken geht mir voll auf die Keimdrüsen. Ja, ich schäme mich für euch, weil letztlich ich es bin, der der kongolesischen Mutter erklären muss, warum ihr Kind verreckt: Weil es in der „ersten Welt“ massig verwöhnte Dödel gibt, die à la Max Winde lediglich Konsum im Sinn haben und sich einen Dreck scheren um das Schicksal derjenigen, die eine Schüssel Reis der x-ten sinnfreien App vorziehen. Streamt euch folgenden Satz in euren unterbelichteten Neokortex: Der Erzeuger von etwas (im obigen Beispiel ich) ist mehr wert als der Verbraucher von etwas (im obigen Beispiel Max)! Es ist immer der Anbieter, der die Regeln bestimmt. Wenn euch die nicht passen, kauft euch im Baumarkt Stricke und Leitern. Hoffentlich ist dann bald Ruh.

    68. 16. März 2012 at 20:39

      hahaha.. der geht ja ab..

      lustiger Troll ist lustig

    69. Karsten
      16. März 2012 at 20:52

      Dr. Azrael Tod beim Hausarzt.
      DR. AZRAEL TOD: „Herr Doktor, mein Problem ist, dass ich ignoriert werde.“
      DR. AZRAEL TODS HAUSARZT: „Der Nächste, bitte!“

    70. Max Winde
      16. März 2012 at 20:56

      @Karsten tu mir doch bitte den Gefallen und poste deine Ergüsse immer unter der selben Email Adresse einstellen? Ich hab keinen Bock das alles manuell freizuschalten und werde es darum auch nicht mehr tun.

    71. 17. März 2012 at 11:12

      @karsten: Don’t know … if trolling. O_o Allerdings habe ich deine Aussagen so schon aus der Richtung von CDU und FDP gehört, also meinst du es wohl tatsächlich ernst.

      Das Problem deiner Argumente ist, dass du die grundsätzlichen Aussagen, die ich SO deutlich in meinen ersten Kommentar getippt habe, vollkommen ignorierst und somit an der Realität vorbei argumentierst.

      Natürlich kann der Anbieter mit seinem Angebot machen was er will. Gar nicht veröffentlichen, nur in Venezuela veröffentlichen, usw. Natürlich können wir als Kunden dem Anbieter nicht vorschreiben, was und wie er zu machen hat. ABER dann muss der Anbieter damit rechnen, dass er übergangen wird. Warum? Weil es geht!

      Deine Mutter mit kranken Kindern im Kongo ist ein gutes Beispiel: Sie benötigt die Medikamente, bekommt sie aber nicht sofort, weil Lilly (wenn du schon bei Zyprexa bist) es mit dem Argument der hohen Entwicklungskosten noch nicht für 5 Cent im Kongo vertreibt, sondern für $100 in den USA. Was aber, wenn die Mutti beim Medizindealer ihres Vertrauens eine Kopie des Medikaments erhalten kann? Dann wird sie es nehmen. Nicht weil es rechtens ist (die Herstellung der Kopie – das im Labor nachbauen – verstößt gegen Lillys Urheberrecht, Patente usw.), sondern weil es geht, weil sie es kann.

      Das derzeitige – schon sehr alte – Urheberrecht geht von einigen Voraussetzungen aus:
      – Kopien sind mit einem gewissen Aufwand verbunden oder können technisch weitgehend verhindert werden (einen Markenturnschuh nachbauen erfordert schon etwas mehr)
      – Daher werden Urheberrechtsverletzungen großteils mit kommerziellem Hintergrund von Institutionen begangen, Privatmenschen sind eher unbeteiligt (der Markenturnschuh wird nachgebaut, um ihn zu verkaufen)
      – Somit können Urheberrechtsverletzungen verfolgt werden und eine Abschreckung aufgebaut werden (indem man die paar Firmen, die Markenturnschuhe nachbauen, verklagt)

      Bei digitalen Gütern ist das aber nicht der Fall. Kopien machen keinen Aufwand. Sie werden meist nicht kommerziell benutzt. Um sie zu verfolgen, muss man einen Großteil der Bevölkerung verklagen. Statt Abschreckung entsteht Abneigung. Kopien von Mediencontent sind die gesellschaftliche _Norm_, seit es Tonbänder, Videokassetten und Xeroxkopierer gibt.

    72. 17. März 2012 at 13:19

      achja: weil es gerade passt
      Rob Reid: The $8 billion iPod http://www.youtube.com/watch?v=GZadCj8O1-0

    73. Tom
      17. März 2012 at 14:58

      @NeoVanGoth: Lasse dich auf die Diskussion nicht ein. Es ist natürliches Trollverhalten bisher eingebrachte Argumente zu ignorieren und neue Dinge in die Diskussion einbringt die mit dem Thema nichts zu tun haben.

      Die Problematik, dass Medikamente zu teuer sind ist eine ganz andere als die bei der Musikindustrie. Karsten zieht hier, vielleicht bewusst, falsche Schlüsse. Das Kinder sterben, weil sich Max dinge besorgt, welche nicht verkauft werden ist einfach Unsinn. Kongo hat in dieser Diskussion nichts zu suchen. Aber wie gesagt, wir sollten auf Karsten nicht eingehen. Bisher herrscht in diesem Blog eine gute Stimmung und das sollte auch so bleiben.

      Das Karsten Max ohne ersichtlichen Grund als „Darmwind“ beleidigt und sich herablassend über benachteiligte (Sonderschüler) äußert, ist nur ein weiteres Zeichen, dass zeigt, dass man mit ihm nicht diskutieren kann.

    74. 26. März 2012 at 15:23

      Bitte mal hierzu Stellung nehmen:
      http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,823718,00.html
      Döring hat m.E. völlig recht. Endlich gibts mal Kontra. Die Piraten haben die Diktatur des Dilettantismus ausgerufen, nach dem Motto: „Wir können zwar nichts, aber die anderen auch nicht“ — was eine Frechheit zum Quadrat darstellt. Ich musste nur Lauer in diversen Talkshows beobachten, um zu dem Schluss zu kommen: Nein, ich möchte nicht von Nullcheckern regiert werden. Dann lieber von Mutti.

    75. 27. März 2012 at 14:09

      Ich hatte gehofft, einige wirklich konkrete Vorschläge zur Neugestaltung des Urheberrechts zu lesen. Dem ist leider nicht so.

      Die aufgestellten Forderungen sind im Prinzip richtig, dennoch zeigen sie keinen Weg zur Lösung.

      Beim Urheberrecht geht es um Rechtsschutz für Urheber, aber auch für Auftraggeber und Verwerter. Ob Letztere noch erforderlich sind, darüber bin ich mir noch nicht ganz klar.

      Sehen wir uns zunächst einmal den Schutz der Urheber und Auftraggeber an. Letztere spielen in der Diskussion um das Urheberrecht bisher praktisch keine Rolle, weil sich die Diskussion einseitig auf die Erzeugnisse der Film- und Musikindustrie, am Rande noch der Softwareindustrie und der Spielehersteller beschränkt. Selbst die eigentliche Grundlage des Urheberrechts, die Autoren, kommen in der Diskussion nur am Rande vor. Völlig fehlen in der Diskussion Fotografen und Grafiker. Und ihre Auftraggeber.

      Beim Urheberrecht ging es von Anfang an um Rechtsschutz für die nicht erlaubte gewerbliche Verbreitung. Erst die Möglichkeiten modernerer Technik, angefangen mit Fotokopierern, Tonbandgeräten und allen technischen Entwicklungen, die seit dem stattgefunden haben, die inzwischen eine verlustfreie Digitalkopie erlauben, rückte auch den privaten Endverbraucher in den Fokus des Urheberrechts.

      Zunächst muss der Urheber vor einer nicht erlaubten gewerblichen Verwendung geschützt werden. Und damit nicht der Urheber, sondern auch seine Auftraggeber, sofern es solche gibt. Das ist analog zum Patentrecht, Markenrecht und Geschmacksmusterschutz. Für mich als Fotograf geht es eigentlich nur um diesen Schutz. Niemand soll mit meinen Fotos einfach Geld verdienen können, ohne mich entweder durch eine Einmalzahlung oder eine laufende Lizenzgebühr angemessen zu beteiligen. Die private Kopie, die das Urheberrecht ohnehin erlaubt, tangiert mich nicht. Im Bereich von Fotografie und Grafik spielen auch die Auftraggeber eine große Rolle. Vermutlich werden die weitaus meisten Fotos und Grafiken im professionellen Bereich für Auftraggeber gemacht. In diesen Bereichen möchte nicht nur der eigentliche Urheber, der ohnehin oft sämtliche Nutzungsrechte an den Auftraggeber abtritt, Rechtsschutz, sondern vor allem der Auftraggeber, der dafür bezahlt hat.

      Eine ganz andere Konstellation ist die Grundlage der aktuellen Diskussion um das Urheberrecht. Hier steht nicht die kommerzielle Weiterverwendung im Fokus, sondern die private Kopie und die Verteilung privater Kopien. Die Zeiten der Schallplatte und des VHS Videorecorders, die Kopien nur mit einer drastischen Qualitätsverschlechterung gegenüber dem Original erlaubten, sind längst vorbei. Inzwischen ist praktisch jedermann eine verlustfreie Eins zu Einskopie möglich. Womit die Industrie natürlich ein Problem hat. Auch der Anreiz, ins Kino zu gehen ist durch moderne Projektionstechnik inzwischen praktisch nicht mehr vorhanden.

      Vielleicht kann man auf die Musikindustrie verzichten, vielleicht auch auf die Softwareindustrie, doch wie würde ein Verzicht auf die Filmindustrie aussehen? Nur noch Produktionen für das Fernsehen, das ohnehin schon durch das Internet ins Hintertreffen gerät? Ich weine dem Fernsehen übrigens keine Träne nach, bei mir gibt es schon seit mehr als 20 Jahren keinen Fernseher mehr. Auf hervorragende Kinofilme möchte ich jedoch nicht verzichten müssen.

      Die Interessen der Urheber und einer berechtigten Industrie beziehungsweise Auftraggeber der Urheber sind höchst unterschiedlich und brauchen eine differenzierte Betrachtung. Die Film- und Musikindustrie benötigt einen effektiven Schutz eigentlich nur für drei Monate, innerhalb dieser Zeit ist das entweder ein Flop oder der große Erfolg. Bei der Filmindustrie kommt es jedoch zu einer Zweitverwertung durch den Verkauf von Datenträgern beziehungsweise Fernsehrechten. Diese Zweitverwertung spielt auch für die Musik eine nicht unerhebliche Rolle, gerade im Bereich der Filmproduktionen. Also müsste auch die Zweitverwertung in einem angemessenen Zeitraum einen Schutz genießen.

      Für die Softwareindustrie ist der benötigte Schutzzeitraum schon deutlich länger, man muss nämlich nicht immer die aktuellste Version eines Programms auf dem Rechner haben, um gut arbeiten zu können.

      Fotografen und Grafiker brauchen einen noch längeren gewerblichen Schutz-Zeitraum, Fotos und Grafiken sind nicht so massiv vom sich ändernden Zeitgeschmack betroffen und ebenso wenig von technischen Entwicklungen, die die Vorgängerversion schnell veralten lassen. Auch Autoren brauchen einen recht langen Schutz, es gibt einige berühmte Beispiele für Autoren, die erst nach über 20 Jahren entdeckt wurden und wirtschaftlichen Erfolg hatten.

      Allerdings braucht niemand Schutzfristen, wie sie das Urheberrecht aktuell vorsieht. Es sei denn, man möchte damit ein Kreativmonopol über Generationen schützen.

      Es sollten demzufolge auch unterschiedliche Schutzfristen im Urheberrecht verankert werden. Wie man mit der privaten Kopie aus illegalen Quellen umgehen möchte, also den üblichen Verbreitungs-Kanälen des Internets, muss gesondert geklärt werden. Doch gerade hier ist eine Neuregelung längst überfällig.

      Vermieden werden sollte die Situation, in der sich berühmte Maler wie beispielsweise van Gogh befanden. Mit der digitalen Kopie könnte es nämlich gut passieren, dass ein Künstler zwar schon zu Lebzeiten weltberühmt ist, dennoch von Hartz IV leben muss, weil die zweifellos vorhandene Kostenlos-Mentalität des Internets und nicht nur dort dafür sorgt, das er noch nicht einmal seine Miete selbst zahlen kann. Ich habe damit reichlich Erfahrung, es gibt etliche Kommunen und Unternehmen, die zwar Bildrechte von meiner Webseite Heidelberg-Photo.com haben möchten, jedoch nicht bereit sind, auch nur einen Cent an Lizenzgebühren zu bezahlen.

      Ich habe ehrlich gesagt keine Idee, wie man das Urheberrecht so umgestalten könnte, dass Verbraucher und Künstler gleichermaßen damit glücklich werden können. Ich sehe nur die vielfache Problematik im Zeitalter der digitalen Kopie.

    76. Pingback: Podcast: TABAS #0002 | stieber-stefan.de

    77. 23. September 2012 at 21:38

      Hallo,
      sicher, das Urheberrecht ist krank und gehört überarbeitet. Betrachtet man den Musikbereich, wird’s wirklich kompliziert. Wer meint, die Musik von Beethoven sei gemienfrei, da der Typ schon deutlich länger als 70 Jahre tot ist, irrt gewaltig. Da habe die Musiker, die das Werk einspielen, Rechte. da hat der Verlag, der die Noten für das Orchester veröffentlicht hat, Rechte, da hat der Produzent Rechte. Glaubt mir, das System ist vollkommen nstabil und korrupt. Nur schiere Macht erhält es am Leben und die bekannte Unfähigkeit der Politiker, die meistens nichts von dem verstehen, worüber sie entscheiden sollen oder möchten.

      Natürlich sollen Künstler von Ihren Werken leben. Verkauft einer eine Million Alben und kriegt für jede einen Euro, so hat er eine Million Euro, die ihm jeder gönnt.

      Aber wozu der ganze Rest?
      Mal auf’s Auto übertragen: Mercedes, VW oder Jaguar bauen Autos, in denen sicher oft mehr Gehirnachmalz steckt, als in so manchem Song. Jetzt könnte doch auch ein Autobauer hingehen und sagen, das Auto kostet 150.000,- Euro. Damit darfst Du dann in Deutschland fahren. Aber nicht zur Arbeit. Dafür mußt Du eine Erweiterungslizenz kaufen. Und auch für den Urlaub, die Reise ins Ausland, für Fahrten über 30 km, usw.

      Dann käme die zweite Stufe: Die Regierung kassiert KFZ-, Mineralöl- und Mehrwertsteuer auf beides. Wäre doch logisch, die Autobauer nach dem System der GEMA zu beteiligen, denn ohne Autos keine Steuern.

      Auch der ADAC oder die Mineralölkonzerne müßten nach diesem System abdrücken. Und die Werkstätten und die Schrotthändler und wer weiss wer noch alles. Da käme richtig Kohle zusammen und Opel wäre gerettet.

      Natürlich müßten auch die bezahlen, die gar keine Auto hätten, denn sie könnten ja eins haben und schaden mit ihrer Verweigerung dem System. Oder benutzen es (wie schlimm) heimlich.

      Das ist alles nur Utopie? Wartet mal ab, nächstes Jahr ist Wahl.

      In diesem Sinne
      A

    78. 23. September 2012 at 22:25

      Hallo Herr Lindemann,
      im Prinzip haben Sie vollkommen Recht. Je nach Medien- und Kunstart solle es unterschiedliche Modelle geben. Aber gerade bei Grafikern und Fotografen kommt das, was ich oben beschrieben habe, zum Tragen. Wir haben regelmäßig Aufträge für Grafiker und holen ebenso regelmäßig Angebote ein. Der Stundensatz eines Grfikers beträgt heute so um die 80,- Euro plus Steuer. Für die Arbeit werden, sagen wir 5 Stunden veranschlagt. Kommt nach Adam Riese ein Preis von 400,- Euro raus. Der Ablauf ist in der Regel immer der gleiche gewesen: Kurze Frage nach dem laufenden Geschäft. „Könnte besser sein, nicht viel zu tun“, ist ofer die Antwort. Anfrage nach Angebot: Preis OK. Dann: Welche Rechte wollen Sie denn ? Ich: „Total buy out“. Grafiker: „Oh, das wird teuer…“.

      Tja, Auftrag weg, nicht erteilt. Andere Grafiker angerufen. Der vierte oder fünfte, nannte einen Preis, der mehr als OK war. Frage nach den Rechten: „Bezahlen Sie schnell meine Rechnung und alles gehört Ihnen!“. Es gab zawr ein kleines Problem: Der Typ war für Wochen ausgebucht. Machte aber nichts, ich warte gerne, wenn die Leistung stimmt.

      Inzwischen arbeiten wir seit einem Jahr zusammen, haben knapp 30.000,- Euro Umsatz gemacht Und der erste rief zwischendurch mal an, ob sich hinsichtlich des Auftrags was Neues ergeben hätte. Auf meine Frage nach den Rechten: „Nee, da muss ich drauf bestehen. Das will unser Verband so.“

      Hoffentlich schickt der Verband auch Care-Pakete.

      Merke: Das Urheberrecht hat viele Facetten. Die einen haben zu essen, die anderen nicht. Wie das wohl kommt.

      Beste Grüße
      A

      In

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