• Copy & Pay

    by  • 5. Juni 2010 • Uncategorized • 8 Comments

    Obwohl ich selbst einen flattr-Button in meiner Seite eingebaut habe, sind meine Erwartungen an den Dienst eher gering. Ich fürchte, dass der Kreis der Benutzer recht begrenzt bleiben wird. Eine kleine Zahl von Bloggern, Twitterern, Pod- und Videocastern wird sich Gefälligkeiten zuschieben und bis auf Ausnahmen werden die Nutzer nie genug Gewinn machen, als das sich eine Auszahlung lohnen würde.

    Dennoch stecken in flattr ein paar unglaublich gute Ideen, von denen jeder, der Inhalte fürs Web erzeugt, über kurz oder lang profitieren wird.

    Zum einen erfüllen die meisten Blogs durch flattr zum ersten Mal überhaupt die Grundvorraussetzung um Geld von ihren Lesern annehmen zu können: Es gibt eine deutlich sichtbare „Kasse“, an der die Leser spenden können. Es klingt furchtbar banal, aber dennoch kannte ich bisher bei kaum einen deutschen Blog einen deutlich sichtbaren Hinweis „Wenn du uns spenden willst, dann geht das so…“. Auf die Möglichkeit zu Spenden wurde höchstens bei Abmahnungen oder ähnlichem Hingewiesen. Dies hat sich durch flattr dramatisch geändert: Plötzlich klebt unter jedem Posting ein deutlich sichtbarer „Bezahl mich“-Button, der zum Belohnen einlädt. Geld zu verlangen ist über Nacht vom absoluten no-go zum Hippen Trend geworden.

    Zum anderen wird durch flattr erstmals eine Zahlweise realistisch, die der Copy-Kultur des Web entspricht:

    Vor einiger Zeit erzählte mir Sascha Pallenberger, Gadgetblogger mit dem Talent immer den heißen Scheiß vor der Kamera zu haben, dass seine Artikel von engadget und anderen großen Gadgetblogs oft eins zu eins kopiert werden. Anders als andere Blogger jedoch störte ihn das überhaupt nicht — im Gegenteil: In jedem seiner Artikel befanden sich Affiliate-Links, über die Sascha sein Geld verdient. Bewusst oder versehentlich kopierten all diese Blogs auch diese Affiliate-Links mit. Mit anderen Worten: Sie kopierten nicht nur seine Inhalte, sondern auch seine Einnahmequelle mit in ihre Artikel. Sascha verdiente somit Geld dadurch, dass andere seinen Content kopierten. Nicht indirekt durch mehr Bekanntheit oder längerfristig durch mehr Besucher auf seiner Seite, sondern ganz unmittelbar durch mehr Verkäufe und mehr Provision— und das nicht zu knapp.

    Durch flattr wird diese Form des Verdienstes auch für andere Inhalte machbar. Jeriko machte sich auf seinem Blog Gedanken darüber, ob er einen flattr Button in seinem Blog anbringen solle. Schließlich bestehe ein Großteil seines Inhalts nur aus Hinweisen auf anderer Leute Inhalte und er fühle sich nicht wohl dabei, mit deren Inhalten Geld zu verdienen. Eine denkbare Lösung des Problems: Den eigenen flattr-Button nur unter eigenen Content packen, unter von anderen übernommene Inhalte den flattr Button des jeweiligen Erzeugers.

    Plötzlich könnte jeder direkt davon profitieren, dass andere seine Inhalte kopieren. Die Verlinkung der Blogs und des Netzes ganz allgemein wäre nicht mehr nur für die Anerkennung und das Ego gut, sondern würde auch direkt auf die Brieftasche des Erzeugers durchschlagen.

    Genau so, wie es heute embed-Codes für Videos gibt, werden wir in Zukunft Codes für alle möglichen Arten von Inhalten finden — immer inklusive des jeweiligen flattr Codes selbstverständlich. Webseiten werden Zitierfunktionen anbieten, die es möglichst leicht machen werden, Inhalte zu „klauen“ — immer mit dem jeweiligen Bezahlcode dran.

    Letztendlich eröffnet dies die Chance, dass die Kopierkultur im Web endlich mal vom Kopf auf die Füße gestellt wird. Denn endlich könnte neben den Inhalten selbst auch das Bezahlmodell mitkopiert werden.

    8 Responses to Copy & Pay

    1. 5. Juni 2010 at 15:07

      find ich eine sehr schöne vorstellung und möglichkeit für unabhängige content-produzenten, an den verlagen vorbei, mit guten inhalten tatsächlich geld zu verdienen.

    2. F30
      5. Juni 2010 at 15:08

      Just for the record — klitzekleiner Schönheitsfehler:
      Der gute Mann heißt Pallenberg, nicht Pallenberger.

    3. dragon
      5. Juni 2010 at 15:09

      ich stimme dir in weiten teilen zu

      ich würde es aber schön finden wenn du noch einen button für den gesamten blog einfügen würdest (gilt für alle blogger)

      manchmal möchte man einfach nur klicken mit der aussage „ich wertschätze diesen blog“ ohne damit einen bestimmten artikel zu meinen

      just my 50 flatters

    4. Artur
      6. Juni 2010 at 06:48

      Ich glaube nicht, das dies eine ausgereifte Bezahltechnik ist. Jedenfall habe ich nach dem Drücken des Flattr-Logos hier auf dieser Seite innerhalb von etwa 3 Minuten nicht gefunden, wie ich denn nun Geld loswerden kann. Na dann lass‘ ich es eben …

    5. 6. Juni 2010 at 15:07

      Ich finde es etwas schade, wenn Flattr oft nur als weitere Einnahmequelle gesehen wird. Auch wenn ich es in meinem Blog benutzen werde, wird die „Rechnung“ für mich sicher nicht aufgehen und das war mir schon vor der Anmeldung klar.

      Die Möglichkeit kleineren Blogs mit gutem Inhalt die Hostinggebühren durch eine Art Dankeschön zu bezahlen – das sehe ich als wünschenswertes Ziel.

      Für echtes MicroPayment dürfen sich gerne andere Anbieter ins Rennen werfen.

    6. 7. Juni 2010 at 08:06

      Ich befürchte auch, dass das Flattr wie Kachingle auch überwiegend im eigenen Saft schmort.

      Die Überlegung, dass man den Content frei geben könnte, wenn der „Pay-Link“ mitkopiert wird, ist eine sehr interessante. Bisher war die Bedingung ja häufig, dass ein Link auf die ursprüngliche Quelle erhalten bleiben muss. Mit Flattr könnte man dieses Prinzip erweitern. Das ist übrigens auch ein großer Vorteil von Flattr gegenüber Kachingle, das dieses Kopieren nicht ermöglichen würde (da „votet“ man für ein Blog, nicht für einen Artikel und das funktioniert bei einem kopierten Artikel in einem anderen Blog natürlich nicht mehr …)

    7. 5. Juli 2010 at 20:06

      Die Idee hinter flattr finde ich super und hoffe, dass sich so etwas durchsetzt – und dadurch die nervige Reklamefinanzierung von Websites aufhört.

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