• WebM & h264

    by  • 20. Februar 2011 • Uncategorized • 8 Comments

    Die ganze h264 vs. WebM Diskussion ödet mich inzwischen ganz ordentlich an, vor allem, weil sie immer als entweder/oder Diskussion geführt wird, und gern ausgeblendet wird, dass es mehr als genug Platz für 2 hochwertige Videocodecs auf diesem Planeten gibt. Das es im Augenblick keinen einfachen Weg gibt Videos im Netz abzuspielen, und dass es darum überhaupt nicht schlimm ist, wenn noch ein neuer Videocodec dazu kommt, probiere ich in einem Kommentar in Steffen Zörnigs Blog darzulegen:

    Die allerwenigsten Browser unterstützten im Augenblick h264 nativ, zu nennen wären da allein Safari und Chrome, die zusammen einen Marktanteil von großzügig geschätzt 15% haben. Chrome bricht aus dieser Phalanx jetzt aus, was zu einer Unterstützung von ca. 5% führt. Auch wenn der IE9 irgendwann demnächst rauskommt und h264 Support mitbringt wird es sicherlich noch einige Zeit dauern, bis ein nennenswerter Anteil an Browsern h264 unterstützt. Dieses Zahl jazzt du auf, indem du Flash mit in deine Statistik einbeziehst: Flash läuft fast auf jedem Desktop und Flash unterstützt h264, also liegt die Abspielbarkeit von h264 bei fast 100%. das ist natürlich Augenwischerei, schließlich fällt der Flash-Support für eine Seite nicht einfach so vom Himmel: man muss, um einen Flash-Video-Player entwickeln zu können ein nicht ganz billiges Programm kaufen, eine neue Sprache lernen und einen Player schreiben. Das kostet Zeit und Geld und beides nicht zu knapp. Um WebM zu unterstützen muss ich hingegen lediglich ein Video zusätzlich in einem zweiten Format rauslassen.

    Auf der anderen Seite haben wir WebM: WebM wird schon in sehr kurzer Zeit von sehr vielen Browsern nativ unterstützt werden: neben Chrome wird auch noch Firefox 4 und (der sicherlich zu vernachlässigende) Opera WebM unterstützen. Wenn Firefox 4 dann irgendwann mal fertig wird und halbwegs was taugt, wird der Marktanteil der nativ WebM fähigen Browser innerhalb kurzer Zeit auf 40-50% steigen: ein Wert, von dem der “Standart” h264 nur träumen kann! Auf die nahezu 100% wird WebM dank Flash dann auch bald kommen, wobei natürlich die selben Einschränkungen gelten, wie für den h264-Flash-Support. Klar, alles Zukunftsmusik, aber nicht weit weg.

    Wie sieht es auf Mobilgeräten aus? Im Augenblick unterstützten eine Hand voll Geräte hardwarebeschleunigten h264 Support. Bis diese Geräte h264 unterstützten, muss das Decodieren in Software geschehen, was den Akku etwas mehr belastet. Der Akku wird natürlich nur dann belastet, wenn auch tatsächlich ein Video dekodiert wird, und wie lang schaut sich ein durchschnittlicher User pro Tag Videos auf seinem Telefon an? Sagen wir mal 15 Minuten. Die Akkulaufzeit eines Mobiltelefons verkürzt sich also um ein paar Minuten pro Tag, da beim Videos schauen ja kaum das Decodieren ins Gewicht fällt, sondern vielmehr Display & Hintergrundbeleuchtung. Aber auch das wird sich ändern, weil natürlich kein Separater Chip fürs Video-decodieren nötig ist, sondern die bestehende Grafikkarte einfach mit einer neuen Software WebM nativ decodieren können wird. Android wird schon sehr bald WebM können (falls es das nicht schon kann), WebOS kann Flash und Windows Phone 7 auch. Bleibt noch Apple, die natürlich lieber untergehen würden, als ein Format vom neuen Erzkonkurrenten Google zu unterstützen.

    Was bekommen wir für all die Arbeit WebM zu unterstützen? Dafür gibt es einen Codec, für denen es eine komplett kostenlose und freie Toolchain geben wird, um Videos zu encoden, zu verteilen und anzuschauen. Wir brauchen keine Lizenzverträge für Downloads oder kommerzielles Streaming. Kurz: das Web bekommt endlich ein freies Videoformat, dass sich mit der Konkurrenz messen kann. Und das, wie ich bereits dargelegt habe, noch bevor große Mehrarbeit entsteht, weil h264 im Browser eh noch nicht weit verbreitet ist.

    Klingt für mich nach einem guten Deal.

    8 Responses to WebM & h264

    1. chris
      20. Februar 2011 at 22:14

      klingt schlüssig & sehe ich genauso. schließe ich mich an.

    2. daniel
      21. Februar 2011 at 08:16

      Sehe ich ähnlich.. aber wenn das Tim liest, hehe 🙂

    3. Andreas
      21. Februar 2011 at 17:35

      „2 hochwertige Videocodecs.“ Damit implizierst du das WebM hochwertig ist. Das ist es nicht. Es gibt noch nicht einmal eine ernstzunehmende Spezifikation. Die Spec beschreibt nicht alle Aspekte von WebM sondern druckt Teilweise einfach mal code von On2’s Implementierung ab. Wo ist das Problem mit einer Schlechten Spezifikation: Sehen wir uns Avi an! Wenn man Pech hat und den Player benutzt den der Autor der Datei nicht benutzt hat Laufen einfach mal Ton und Bild auseinandern, es spielt überhaupt nicht ab oder beliebige andere Zwischenstufen. Natürlich kann man sagen in 90% der Fälle funktioniert es doch, aber wollen wir wirklich eine Technologie die in 10% der Fälle nicht funktioniert? Wie wäre es wenn 10% der Bilder im Web nur von bestimmten Browsern angezeigt werden könnten?

      Außerdem die die Argumentation schwachsinning. Am Anfang sagst du Flash sei blöd für h264, aber für WebM bei WP7 und WebOS ist Flash schon wieder gut.

      Und glaubst du wirklich, das Adobe es hinbekommt WebM in OpenCl oder so etwas zu implementieren? Das haben die ja Jahrelang nicht auf dem Desktop mit h264 hinbekommen und da mussten sie nur den Grafikkarten sagen mach mal und den Codec nicht selbst implementieren!

      „Die Akkulaufzeit eines Mobiltelefons verkürzt sich also um ein paar Minuten pro Tag, da beim Videos schauen ja kaum das Decodieren ins Gewicht fällt, sondern vielmehr Display & Hintergrundbeleuchtung.“ Das halte ich für ein unhaltbare Behauptung. Bei meinem MBP geht die Akkudauer bei 100% cpu (was auf einen ARM WebM auch wahrscheinlich machen würde wenn es 720p oder 1080p ist) von 6 stunde auf 2. Auf meinem Ipod Touch 3g kann man das auch sehr schön sehen wenn man mal Angry Birds startet/spielt. Das ist ein Spiel das praktisch keine 3D leistung der Graka benutzt sondern nur den CPU. Das Ding wird einfach nur unangehenm warm und signifikant schneller leer.

      Auch eine Behauptung mit den 15 Minuten Video am Tag ist schön. Ich schaue mir immer mal wieder Vorlesungen von iTunes U an, wenn ich mit dem Zug unterwegs bin (Nein nicht jeder sitzt in Berlin und kommt schnell und angenehm von einem Ort zum anderen) und das können auch schon mal 3 Stunden sein. Das wäre mit WebM einfach nicht möglich! In Zukunft wird es dann wohl so sein, dass man sich auch mal so etwas als Progressiv Download über den Browser anschaut. Wenn es dann WebM gibt und es tatsächlich ein Programm gäbe, dass das abspielen könnte: 3 Stunden Video sind dann einfach unrealistisch oder danach ist meine Batterie so leer das ich das gerät kaum noch für etwas anderes nutzen kann. Und dass das in Hardware implementiert wird kann passieren, kann aber auch nicht passieren, kann auch 2016 passieren. Und am Ende leidet der User, weil das neue Microsoft(lese „Google“ mal wieder scheiße macht.

      In der Theorie mag WebM toll sein. In der Realität ist das Dreck und es wird die entwicklung das Webs mal wieder um mindest ein Jahr (eher 2 oder 3) zurückwerfen.

      (Weiterhin bin ich der Meinung im interesse aller Beteiligen muss WebM und Google von der MPEG-LA in Grund und Boden geklagt werden.)

    4. Max Winde
      21. Februar 2011 at 18:50

      Den Anfang las ich mal für sich stehen, aber zum Ende habe ich drei Fragen:

      Zum einen: wofür sollte Google verklagt werden? Weil sie einen Patenfreien Videocodec auf den Markt geworfen haben? Meinst du nicht, wenn die MPEG-LA irgendwas in der Hand hätte, hätte sie langsam mal geklagt, anstatt kleinlaut ihre Lizenzbedingungen zu entschärfen?

      Zum anderen: woher kommt dieser Hass auf einen Videocodec?

      Und dann noch: wie um alles in der Welt soll WebM das Web um 2-3 Jahre zurückwerfen? Wie soll das gehen? Wenn man seinen Usern Videos im h264 Format anbieten will, dann muss man das mit einem Flash Player machen, weil es praktisch kein Browser unterstützt. Daran ändert sich nichts, egal ob Google WebM lieber mag oder h264.

    5. Zirpl
      3. März 2011 at 23:29

      Hallo Max!

      Als treuem MM Hörer ist die h.264/WebM Diskussion natürlich nicht an mir vorübergegangen. Da prallen zwei Überzeugungen aufeinander, von denen sicher jede ihre Berechtigung hat. Beide seid Ihr von Eurer Sicht der Dinge sehr überzeugt und vertretet den jeweiligen Standpunkt vehement. Die daraus entstandenen Auseinandersetzungen zu dem Thema waren für mich als Zuhörer trotzdem interessant. Vor allem weil es bei dem Thema meiner Ansicht nach um viel mehr geht, als nur um einen Codec. Trotzdem handelt es sich nur um Spekulationen über Technologie. Im Grunde wissen wir nichts. Weder über die wirklichen Beweggründe von Apple oder Google, noch über die Auswirkungen die das für die Zukunft der Benutzer haben wird. Deshalb kann diese Diskussion am Ende weder für Dich, noch für Tim gelöst werden. Der jeweilige eigene Standpunkt kann vom Diskussionsgegner einfach nicht widerlegt werden. So etwas sollte meiner Meinung nicht so wichtig genommen werden, dass es über eine rein technische Aspekte hinaus geht. In dieser Hinsicht finde ich dein Blog-Posting nicht sehr fein. Du leitest Deinen Beitrag damit ein, wie sehr Dich dieses Thema anödet um dann doch nur Deine Sicht der Dinge ohne Widerrede zu vertiefen. Obwohl mich das Thema wirklich sehr interessiert und ich Euren Gesprächen, vielleicht als einer der wenigen, gespannt gefolgt bin, ist es wahrscheinlich daher doch besser, dass Ihr das zukünftig meidet, bevor es persönlich wird. Daher werde ich, obwohl ich es gerne täte, mich zu meiner Meinung zu dem Thema hier auch nicht äußern. Macht weiter so wie bisher bei MM/BZR und habt Euch lieb. Es wäre doch langweilig, wenn Ihr alle immer die gleiche Meinung hättet. Du hast in der letzten Folge wirklich gefehlt.

      Grüße
      Christian

    6. Michael
      4. März 2011 at 21:59

      Es geht doch bei h.264 gar nicht darum, ob Platz für beide im Browser ist, sondern wie der Content selbst produziert wird, also in welchem Format „draussen“ produziert wird und dass ist nun mal h.264, ob man will oder nicht. Und somit ist es einfach Standard der produzierenden Industrie, die Frage ob im Browser Platz für ein anderes Format ist, ist somit müssig, weil Nativ der Grossteil des Contents nun mal in h.264 vorliegt. Da gibt es wenig Platz für Diskussionen. Die Industrie ist sich einig…

    7. Max Winde
      5. März 2011 at 20:07

      @Michael: wenn aber praktisch kein Browser der ein Format abspielen kann, dann kann sich die Industrie noch so einig sein, sie wird es in ein Format konvertieren müssen, dass die Leute sich auch anschauen können. Und konvertieren müssen sie ja eh, weil wohl kaum jemand ein 1080p Video direkt aus der Kamera ins Netz packen wird.

    8. 9. März 2011 at 08:55

      Hm, also ich sehe das ja recht entspannt. Warum?

      Nun, wie ist der Stand Heute?
      Fakt ist, wenn ich einen Podcast – einen AUDIO(!)-Podcast – betreibe und ich möchte, dass die Hörer die Folge auch auf der Webseite direkt anhören können, dann geht das immer noch am besten mit einem Flash-Player. Diese kleinen Player gibt es bereits fertig als PlugIn für diverse CMS und lassen sich einfach einbinden. Nur damit kann ein MP3 wirklich überall gehört werden.
      Halt. Nicht überall. Nur dort, wo auch Flash läuft! Daher packt man einfach zusätzlich noch einen simplen Link auf das MP3-File dazu und schon kann es wirklich jeder abspielen, weil im Zweifel auf den Link geklickt wird und das genutzte System die Datei dann lädt und mit einem Player öffnet.

      Also – Obwohl MP3 inzwischen der Standard für Audio im Web ist, muss man auf „Krücken“ ausweichen. Aber es funktioniert. Und sogar hierbei wird diskutiert, warum man nicht auf AAC setzt (kleiner bei gleicher Qualität, Kapitelmarken mögliche, etc). Ich würde es ja tun, nur können weit weniger Leute AAC mit ihren Geräten abspielen als MP3.

      So, nun zum Video. Hier sieht Heute ganz ähnlich aus. h264 hat angefangen sich durchzusetzen. Aber wie wird es eingebunden? Genau wie die Audio-Files – mit Hilfe eines Flash-Players! Auf nahezu allen Seiten (die wenigen HTML5-Vorreiter mal ausgenommen). Und wer kein Flash hat, der bekommt einfach einen Link auf die Datei und kann sie dann mit einem Player des genutzten Systems öffnen. Das klappt dann auch am iPad/iPhone.

      Nun kam die Diskussion um Lizenzkosten auf. Ich selbst fühle mich davon bisher nicht betroffen denn soweit ich weiß, darf man seine Videos in diesem Format konvertieren/erstellen. Spätestens mit dem Schnittprogramm sollte man eine Lizenz erworben haben (meine ich zumindest – vielleicht kann das jemand bestätigen oder dementieren)

      Dennoch – wenn nun WebM kommt und es breite Unterstützung in Software und Hardware finden sollte, dann ist mir das auch Recht. Ich meine was wird schon groß passieren?
      Ziemlich sicher wird es auch dafür einen Flash-Player geben und einen Link kann man weiterhin setzen. Voraussetzung ist natürlich, dass alle(!) handelsüblichen Player dieses Format abspielen können oder dass es passende Player für Plattformen wie iPhone/etc. geben wird.

      Es ist zwar schade, dass man mit h264 nicht einfach konsequent weiter macht aber wenn es an Lizenzkosten hapern sollte, dann muss halt etwas anderes her.

      Mir ist es doch egal in welchem Format ich meine Videos kodiere – Hauptsache ich benötige nur EINE Datei. Ganz sicher habe ich keine Lust dasselbe Video in zwei Formaten hoch zu laden. Das macht bei max. DSL-1000 (Upload ISDN-Speed) keinen Spaß, kostet unnötig Platz und kann nicht Zukunft sein.

      Also bleibe ich entspannt und nutze solange h264 bis es WebM-Player für alle Plattformen gibt und Schnittprogramme/Kompressoren in dieses Format exportieren können. Die großen Seiten wie Youtube und Vimeo werden ohnehin auf dem Server konvertieren und nach Bedarf liefern was gespielt werden kann.

      Also locker bleiben – es ist nur ein Codec

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